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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ukrainer einwirke. Stets an die große Sache denkend, ließ ich mich bewegen, mit dem in Chlumetz weilenden Erzherzog diesbezüglich in telephonischen Verkehr zu treten. Oberst Dr. Bardolff warnte mich davor imd hatte recht. Wozu ewig für andere die Kastanien aus dem Feuer holen! Der Erzherzog war auch klug genug, auf die erbetene Intervention nicht einzugehen. Übrigens genügten dann Unterhandlungen mitdem Parteichef Levicky,um das Abstimmungs- resultat wieder zu sichern. Wie schon eingangs dieses Kapitels detailliert, bereitete mir die artilleristische Verfassung die größte Sorge. Besonders die Losung der Haubitzenfrage ließ mir keine Ruhe. So fuhr ich nach Pilsen, um bei Skoda diesbezüglich Umschau zu halten und um mich über den Fortschritt .im Bau der 30,5 cm-Mörser zu erkundigen. Dieser war erfreulich, und ichgewann die Überzeugung, daß Ende des kom- menden Jahres— 1913— alle 24 Stück bereitstehen dürften. Unter den vorgeführten Haubitzen gefiel mir ein Modell ausnehmend. Es war zwar noch nicht vollständig ausprobiert, doch wollte ich es dennoch ankaufen und damit die wichtigste Angelegenheit beschleu- nigen. Als Rohmaterial dachte ich noch an die Bronze, dieses spe- zifisch österreichische Produkt, das bei Haubitzen, die keine große Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses benötigen, immerhin ver- wendbar war. Nichtsdestoweniger nahm ich mir vor, das Etabhsse- ment Skoda mitmeinem ganzen Einfluß zu stützenund die heimische Stahlindustrie vom Ausland gänzlich unabhängig zu machen^). Dann inspizierte ich die großen Munitionsdepots bei Bergstadtl, in der Nähe von Budweis. Die Situation, die ich vorfand, im Verein mit den traurigen Erfahrungen nach der Explosionskatastrophe bei Felixdorf2) veranlaßte mich, die Stelle eines Inspektors für die tech- ^) Da die Skodaaktien nachmeinem Besuch in Pilsen stiegen, flatterte sofort dieFama auf, ich wolle die Artillerie— zu Skodas Gunsten—mit Stahlrohren aiiisrüsten. Daran war, wie oben erwähnt, kein wahres Wort. Im Interesse der artilleristischen Leistungsfähigkeit ,,leider". Doch derKeim zu Zischeleien war hierdurch gegeben, daraus dann in späterer Folge die mannigfachsten Ver- leumdungen erwuchsen. 2) Die Explosion in Felixdorf ereignete sich im Juni. Die Detonation war so stark, daß die Pferde im Prater scheuten, wo gerade an diesem Tage das Preisreiten stattfand, dem auch— zum letzten Male— der Kaiser beiwohnte. Ich fuhr vom Tvurfplatz sofort an die Unglücksstelle und besuchte die Ver- wundeten in Wiener Neustadt, deren Anzahl leider groß war. Es gab auch im weiten Umkreise Gebäudeschaden, der vom Militärärar ersetzt werden mußte. Da manche Anzeichen auf einen verbrecherischen Anschlag deuteten— das Attentat wiederholte sich an verschiedenen Mvmitionsdepots—, wurden mn- fassende Vorsichtsmaßregeln angeordnet. Man führte auch eine Sicherungs- beleuchtvmg ein, und wenn ich in späteren Jahren der Südbahn entlang fuhr, grüßte mich die entschwundene Ministerzeit stets aus der damals entstandenen lyichtzeüe 191
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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