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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Unter dem Zwang der äußern Ereignisse kamen die Delegationen in ein rascheres Tempo. Mit den Sozialdemokraten Nemec^) imd Schuhmayer hatte ich noch einen kleinen Strauß zu bestehen, doch gab's keine wesentliche Störung. Und mit den Ungarn ging es über Erwarten glatt. Die drohenden Gewitterwolken, die sich im Früh- jahr über mein ministerielles Haupt zusammengezogen hatten, ver- zogen sich fast völlig. Nur ein ganz leichter Sprühregen ging in der Form nieder, daß die Delegierten mich ersuchten, von einemRout im Kriegsministerium diesmal absehen zu wollen, da sie sich bei mir noch nicht fetieren lassen könnten, wo sie doch erst vor halber Jahres- frist ihren Parteigenossen und Wählern meinen Kopf versprochen hatten. Dies sah ich auch ein. Dafür geleitete ich die Delegation wieder auf das Neustädter Flugfeld, wo ich ihnen diesmal schon Besseres zeigen konnte. Ein Geschwaderflug von Ein- und Zwei- deckern imponierte den Anwesenden besonders. Die Delegationsdiners bei Hof, die wde alljährlich folgten, wirkten stets animierend auf die Stimmung der Teilnehmer. Diese Diners erfreuten sich einer Berühmtheit. Ein vvätziger Mund tat den Aus- spruch, daß es nach den Kaiserdiners keine Opposition mehr gäbe. Und der Sozialdemokrat Schuhmayer rief einmal den Vertretern der bourgeoisen Schichten zu: ,,Ja, sind Sie denn nur der Diäten und der zwei Hofdiners wegen da?" Diese festlichen Veranstaltungen übten tatsächlich — besonders auf einen Neuling — einen eigen- artigen Nimbus aus. Die Sozialdemokraten taten daher nicht so un- recht, diesen verführerischen und auch nivellierenden Festivitäten fern zu bleiben. Die prunkvollen Säle, die illustre Gesellschaft, die pompöse und dabei würdevolle Aufmachung, die herrliche Tafel und nicht zuletzt das opulente Mahl wirkten nicht nur auf den Gaumen und Magen, sondern auch auf Herz und Gemüt im regierungsfreund- lichen Sinne ein. Allem voran war es aber das huldvolle Wesen des Monarchen, das gefangen nahm. Die meist höchst einfachen An- sprachen des Kaisers blieben dennoch selten ohne Effekt, und ich sah dabei manch freudig erstrahlendes Demokratengesicht. Hie und da gab's allerdings auch prämeditierte, gewissermaßen konzipierte ^) Bei der Debatte im Plenum, wobei Nemec wieder die Walze von den un- erschwinglichen Älilitärlasten eingelegt hatte, konnte ich mir's nicht versagen, von meinem tags vorher imternommenen Spaziergang in der Neuwaldegger Gegend zu erzählen, wo ich das „zvun Umsinken belastete Volk" in zahllosen Wirtsgärten beiWein, Bier, Musik undBackhähndln versammelt sah vmd hier- durch zu meiner Freude den Eindruck gewann, daß die Steuerlast, speziell die 10%, die für Heereszwecke entfielen, weder dieGenußfreude noch dieGenuß- möglichkeit irgendwie tangiert hätte. Die Lacher hatte ich auf meiner Seite, doch eine Menge just nicht schmeichelhafter Anonyma flog mir darob ins Haus. 14 Auffenberg 2O9
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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