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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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fügen möge. In dieser Richtung hatten sie nämlich immer Besorg- nisse. Diesmal und bei all den mannigfachen späteren Gelegenheiten. Sie hielten mich stets für einen Demagogen und nicht für das, was ich immer war, für einen durch und durch loyalen, der Disziplin mit Haut und Haar verfallenen Soldaten! Dann ging ich zu Berchtold, der den seelischen Schmerz, seinen ihn getreu imterstützenden Kollegen zu verlieren, mit philosophischer Ruhe imd Seelengröße trug. Natürlich wäre es ihm niemals einge- fallen, für mich nur einen Finger zu rühren, und man erzählte mir später, daß der Einfluß, den ich auf den Gang der Geschäfte wieder- holt genommen, ihn bedrückt hätte. Jedenfalls war er eines solchen Druckes fürderhin unter meinem Nachfolger nicht mehr ausgesetzt. Ins Büro zurückgekehrt, verständigte ich Boog und Csoban. Sie waren beide konsterniert. An so was hatten sie weder gedacht noch irgendwelche Anzeichen bemerkt. Krobatin, dessen Ernennung mir zwar noch nicht offiziell mitgeteilt wurde, die aber nicht anzuzwei- feln war, befand sich trotz der vorgerückten Sonntagsstunde noch imBüro. Er hatte sichtlichgewartet. Denschweren Schlag, anmeiner Stelle der Erste geworden zu sein, ertrug er mit Fassimg. Inwieweit Krobatin an meinem Sturz tatsächHch mitgewirkt hatte, vermag ich nicht zu beurteilen. Daß er ,,Dauphin" sei, hatte man ihm aber wohl schon am Tage meiner Ernennung gesagt. Es ist daher mög- lich, daß er ruhig zusah, wie die Dinge sich entwickeln würden. Und mit ihm warteten diejenigen, die ihn herbeiwünschten. Es waren dies—um nur von den Maßgebenden zu sprechen— all jene, die den unbedingten Gehorsam und die stets imd zu allem bereite persönliche Ergebenheit auch bei einem Minister als die schätzenswerteste und wichtigste Eigenschaft ansahen. Mich mitdem Urteil übermeinen Nachfolger beschränkend, möchte ich nur sagen, daß er ein unermüdHcher Arbeiter, eine die technischen Details und \mter normalen Verhältnissen auch die bürokratische Maschine virtuos behandelnde administrative Kraft war. Daß er schUeßlich dann unter einem kolossalen Eklat gerade daran schei- terte, war sein Verhängnis, daraus ihn aber eine besondere, nur den eigenen Willen kennende kaiserhche Gunst jäh herauszog, um ihn nach aufwärts fallen zu lassen. Krobatin liebte die Details, vieles andere anderen, namentHch den Chefs der Mihtärkanzlei, über- lassend. Ausscliließlich Mann seines Ressorts, fühlte er sich nur als Instrument der Exekutive, dessen alleinige Aufgabe es war, der Voll- strecker des Willens und der wechselnden Absichten der Krone und ihrer allmächtigen Berater zu sein. All dies schlug natürlich imbe- grenzt zu seinem persönlichen Vorteil aus. 224
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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