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von Gewehren auch älterer Konstruktion beauftragt sei. Da ergab
sich denn die gewünschte Gelegenheit, wenigstens einen großen Teil
jener mindertauglichen Gewehre umzusetzen.
Mein damaliger Stellvertreter, Feldzeugmeister Krobatin, führte
die weitere Aktion durch. Es wurde hierbei für 50000 alte Gewehre
nahezu der volle Erzeugungspreis gezahlt, so daß dann fast die gleiche
AnzahlmodernsterGewehresofortinBestellunggegebenw^erdenkonnte.
Ich glaube, daß die ihrer wenig glücklichen finanziellen Aktionen
wegen bekannte Kriegsverwaltung noch nie solch eine vorteilhafte
Gebahrung bewirkt hat. Doch daraus resultierte noch ein günstiges
politisches Moment. Denn in jenem Augenblick— Ende Oktober
1912— war es bereits klar, daß wir auf keinen Fall eine militärische
Aktion zugunsten der Türkei unternehmen würden. Da sagte mir
denn die politische Erwägung, daß es nur vorteilhaft sein könne,
mit den Bulgaren in ein besseres Verhältnis zu kommen. Diese Ge-
wehrlieferung war tatsächlich der erste Schritt hierzu, weshalb sich
auch der damalige bulgarische Gesandte, Herr Salabascheff, inDankes-
bezeugungen nicht genug tun konnte. Übrigens erfolgte diese ganze
Aktion imEinverständnis mit demMinisterdes Äußern, nach erfolgter
Berichterstattung an den Kaiser.
Etliche Wochen nach Abwicklung dieser Angelegenheit entstand
zwischen den früher genannten beiden Personen, der Oberstleutnants-
witwe und dem Agenten, ein Provisionsstreit. Gegenseitige Beleidi-
gungen führten dann zu einem Gerichtsprozeß, in dessen Verlauf die
Verkaufsangelegenheit in gänzlich entstellter Form an die Öffent-
lichkeit gezerrt wurde.
Für einen Teil der Presse war dies ein willkommener Anlaß, über
einen im öffentlichen Dienst gestandenen hohen Funktionär herzu-
fallen und ihn niedriger Handlungen zu bezichtigen. Dagegen mit
einer gerichtlichen Klage vorzugehen, ging nicht an, da mir von maß-
gebendster Seite vorgehalten wurde, ein gerichtliches Verfahren zu
vermeiden, um diese Transaktion mit einem der kriegführenden Staa-
ten nicht zur amtlichen Kenntnis gelangen zu lassen, da es als Neu-
tralitätsbruch gedeutet werden könnte.
So mußte ich denn von einer gerichtlichen Verfolgung absehen.
Auf eine im österreichischen Parlament (am 17. März 1913) ein-
gebrachte Interpellation wurde von der österreichischen Regierung
eine offizielle Erklärung emaniert, welche die vollständige Grund-
losigkeit aller Verdächtigungen auf das entschiedenste betonte. Über-
dies wurde gelegentlich der im Winter 1913/14 stattgefundenen Dele-
gation der ganze Sachverhalt nochmals eingehend besprochen, und
eine genaue ministerielle Darlegung allerWelt zur Kenntnis gebracht.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918