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tionen hat es eben stets eine eigene Bewandtnis. Rechtzeitig, so-
daß sie die gegnerischen Operationen wesentlich beeinflussen, bre-
chen sie selten oder niemals los. Verliert dann der Teil, der auf
sie hofft, ebnet sich die Erregung ziemlich bald und gründlich.
Dringt er aber siegreich vor, dann erfolgt allerdings die Erhebung
meist explosionsartig. Doch wird dieselbe dem eingedrungenen Be-
freier häufig recht unangenehm und erschwert letzten Endes immer
den Friedensschluß. Revolutionierungen sind also ein höchst zwei-
schneidiges Mittel.
Diese Proklamation wurde gleich bei Beginn des Krieges ausge-
geben. Wir erhielten sie während der Fahrt auf den Kriegsschauplatz
in Krakau durch den dortigen Polizeipräsidenten überreicht. Sehr
schwungvoll gehalten, wurde darin nichts weniger als die ,,Befreiung
des historischen Königreiches Polen" von der Russenherrschaft ver-
sprochen. Es impressionierte mich unangenehm, denn es war mir
klar, daß war damit auch auf Galizien verzichten. Geht es schlecht,
so nimmt es natürlich Rußland, und geht es gut, so müssen v/ir das
Königreich errichten imd imser Galizien als Morgengabe draufgeben.^)
Am II. August gelangtevom Armeeoberkommando die erste große
Emanation zur Ausgabe: die Bestimmung für die Fernaufklärung
größten Stils. Die drei Armeen— i., 3. und 4.— sowie die beiden
Armeegruppen— Köveß rechts, Kummer links— hatten sämtliche
Kavalleriedivisionen bis an die großen feindlichen Infanteriekörper
vorzutreiben. Beginn am 15. August. Dieser Kavallerieaufklärung
hatte jene der Flieger in den gleichen Räumen voranzugehen. Der
4. Armee, die damals erst eine Kavalleriedivision— 6.— besaß, war
der Raum zwischen Bug und Wieprz zugewiesen worden.
Dieses weite Vorwerfen der Kavalleriemassen löste bei mir wie bei
so vielen anderen Bedenken aus. Meiner und unserer Ansicht nach
war damit ein kolossaler Kräfteverbrauch der Kavallerie verbunden,
die Aussicht auf Erfolg aber nur eine spärliche. Dabei bedingte die
topographische Beschaffenheit vieler Räume ganz unerläßlich, daß
diesen Kavalleriekörpem entsprechende Infanteriekräfte beigegeben
würden. Dies betraf vor allem die vor der i. und 4.Armee durch die
Tanew-Region vorzutreibenden Kavalleriekörper, die in dieserSumpf-
und Waldregion— nach den bei uns eben herrschenden Ansichten
^) Vier Jahre später brach dann nebst der polnischen auch die allgemeine
Revolution tatsächhch aus. Doch so, daß sie den Krieg nicht für, sondern
gegen die Mittelmächte entschied imd die österreichisch-tmgarische Monarchie
in Trünmier schlug. Das Zündeln mit der Revolution kam uns daher teuer
zu stehen. Die Entente errang durch die RevolutiondenSieg ! Ob sieihnauch
so glanzvoll und vmbedingt alles beherrschend in Händen behalten wird, muü
das groIBe Weltenschicksal entscheiden!
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918