Page - 280 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Image of the Page - 280 -
Text of the Page - 280 -
und Ausbildungsmaximen— ohne infanteristische Beihilfe nicht ge-
lassen werden konnten. Der Effekt dieser Maßnahmen war eine ganz
geringe Ergänzung der durch Flieger- und Kundschaftsnachrichten
erbrachten Klärung. Der Nachteil dagegen war die Schwächung des
materiellen Bestandes der Kavalleriekörper sowie viele Detailge-
fechte, wobei der numerisch überlegene Gegner unsere mit größter
Bravour angehende Infanterie zurückwarf.
Da in jenem Momente— wie erwähnt— bei meiner Armee nur
die 6. Kavallerietruppendivision angelangt war, wurde zunächst nur
sie von der Fernaufklärung betroffen. Sie hatte die Richtung über
Tomaszöw nach Zamosc und Cholm zu nehmen und schob zu diesem
Zwecke ihre Nachrichtendetachements schon am 12. und 13. bis an
die Grenze vor, die 5. Eskadron des Dragonerregiments Nr. 11 nach
Narol. Diese wurde am 13. nachmittag in der Nähe dieses Ortes von
zwei Sotnien Kosaken überfallartig angegriffen. Rittmeister Fiedler
fiel, desgleichen der jüngste Leutnant, Baron Pflanzer Baltin— Sohn
des nachmalig bekanntgewordenenArmeekommandanten—und eine
große Anzahl Dragoner.
Der 6. Kavallerietruppendivision waren ein Bataillon Deutsch-
meister, Jäger-Bataillon 17 und ein BataÜlon des Infanterieregi-
ments 89— zum X. Korps gehörig— zugewiesen. Später kam noch
ein zweites Bataillon Deutschmeister hinzu, bei dem sich auch der
Regimentskommandant, Oberst Baron Holzhausen, befand.
Leider war der 15. August kein glücklicher Tag. Beim Angehen
auf Tomaszöw traf Wittmann auf Ulanen und Kosaken, die im An-
fang für Infanterie angesehen wurden, da sie alle abgesessen waren
und versteckt in den Wäldern lagen. Gleich bei diesem ersten Zu-
sammenstoße zeigte sich der kolossale Unterschied des beiderseitigen
Ausbildungsmodus, davon wir die Schlagschatten empfinden mußten,
da es zur Attacke nicht kam. Unsere Kavallerie fand in dem wald-
bedeckten, unübersichtlichenTerrain keinrichtigesAktionsfeld, konnte
die Artillerie nicht zur Verwendung bringen und scheint auch mit
der Infanterie außer Kontakt geraten zu sein. Diese vollführte ihrer-
seits einen Angriff, wobei der Regimentskommandant, Baron Holz-
hausen, in der Schwarmlinie fiel. Außerdem wurde die Infanterie
— Deutschmeister— von einem wohlgezielten Artilleriefeuer über-
fallen, dem sie sich allerdings rasch entziehen konnte. So endete die
erste Affäre just nicht befriedigend. NochamAbendkam ein General-
stabsoffizier— Augenzeuge— ins Hauptquartier und erzählte den
Hergang. Trotz kleiner Fanfaronaden hatte man das Gefühl, daß
die Russen allseits gewaltigen Respekt einflößen. Besonders die
Lanzen hatten in den Einzelkämpfen sehr imponiert, ebenso die Ge-
280
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918