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stark nördliche Richtung gekommen. IX. Korps ist abgenützt, des-
gleichen VI. Korps. Kavalleriekorps existiert aber nur mehr zur
Hälfte."
„7 Uhr früh trifftOberleutnant vonCzemin, Generalstabsabteilung
der 10. Kavallerietruppendi\'ision, ein. Berichtet über Zusammen-
bruch derselben. Personalveränderungen werden unausweichlich
sein. P'reilich wird das nicht ändern, daß die Division zunächst
nicht gebrauchsfähig ist. Um 8Uhr wird das seit früh hörbare Ge-
schützfeuer stärker. Vom VI.Korpskommando trifft die telephonische
Meldung ein, daß die am rechten Flügel postierte 15. Infanterie-
truppendivision unter Geschützfeuer furchtbar gelitten hat und
zurückgenommen werden muß. . . ." (Dies berührte mich aber da-
mals weniger, da ich des Glaubens war, daß die 19. Infanterie-
truppendivision schon in der Nähe sei, wodurch die 15. Infanterie-
truppendivision eine Stütze finden mußte. Den wirklichen Sach-
verhalt erfuhr ich erst später.) . . .
,,Vom Armeeoberkommando kommt um 10 Uhr vormittags die
telephonische Weisung, daß das XIV. Korps doch der 3. Armee
abzugeben sei!!! Oberst von Soos ist knapp vorher mit dem
Kommando dieses Kcgrps in telephonischer Verbindung gewesen. Hat
daraus entnommen, daß es nach einemNachtmarsch sei, rasten müsse,
dann aber sofort in Aktion treten wird, da es mit gegnerischen Vor-
truppen schon im Gefechtskontakt steht."
Dieser Zufallwarein Glück! Er und meinEntschluß, das Korps bei
seiner geplanten Aktion nicht beirren zu lassen, war zum guten Teil
die Veranlassung, daß die Schlacht von Zamos(5-Komar6w einem er-
folgreichen Ende zugeführt werden konnte. Ohne das XIV. Korps
hätte ich die Schlacht spätestensam folgenden Tage aufgeben müssen.
Dabei hätte aber die 100km entfernt stehende 3. Armee daraus doch
keinen Vorteil ziehen können, da das XIV. Korps am Wege dahin
fraglos gestellt worden wäre. Somit wären in diesem Falle am 29.
oder 30. August zwei Armeen gleichzeitig geschlagen worden. Ich
muß bekennen, daß dieses Schwanken der obersten Heeresleitung in
den allerwichtigsten Entschließungenmich in die peinlichste Situation
brachte. Da ich jedoch das XIV. Korps in der Nähe wußte und in
dessen Tüchtigkeit das größte Vertrauen setzte, sah ich die Gesamt-
situation immerhin in günstigem Lichte, wenngleich ich bis zu jener
Stunde vom Verbleib der 19. Infanterietruppendivision noch keine
Nachricht hatte.
„. . . Man bringt mir eine abgefangene russische Radiodepesche.
Ich entnehme daraus, daß die gegnerische Gruppe, welche die 10. Ka-
vallerietruppendivision überfallen und deroutiert hat, nicht aus acht
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918