Page - 331 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ursprünglich plante ich für den 3. September einen Besuch der
Truppen auf dem Schlachtfelde. Die Weisungen dafür waren schon
erlassen worden. Ich hätte mir und meinem Stabe diese via trium-
phalis gerne gegönnt. Es wäre der erhebendste Moment meines lyC-
bens gewesen. Auch ist der Kontakt zwischen Truppen und deren
höchstem Führer für gegenseitiges Verstehen und Vertrauen stets
von Vorteil. Doch die mittlerweile eingelangten Weisungen des Ar-
meeoberkommandos und die hieraus entspringendenMaßnahmen und
Arbeiten ließen diese Absicht nicht zur Ausführung kommen.
Am denkwürdigen 2. September vertraute ich mich oft meinem
Freunde, dem Tagebuch, an. Und wenn ich es jetzt überblättere,
würde ich kaum glauben, daß diese Zeilen in den Jubeltagen eines
siegreichen Feldherrn niedergeschrieben wurden. Leichtlebig veran-
lagt, ersparte ich mir in ernsten Momenten doch nie die volle Wahr-
heit, rechnete auf keine günstigen Zufälle. Eine strenge Mathematik
schuf ich mir bei Beurteilung jeder Situation, besonders der mili-
tärischen. Deren Ernst erkannte ich aber trotz des errungenen Sieges
voll und ganz!
Am Abend kam General der Kavallerie Graf Huyn, der das Kom-
mando des XVII. Korps krankheitshalber abgegeben hatte. Ich be-
dauerte dies aufrichtig, denn Graf Huyn war ein hochbegabter Gene-
ral. Im Laufe des Nachmittags und Abends vernahmen wir viele
erhebende Kampfdetails der Schlacht. Es stellte sich daher bei uns
allen nun doch eine Siegesstimmung ein. Es war aber kein Bramar-
basieren, nur ein Aufatmen nach schwerer harter Arbeit, an derman
mit besten Elräften mitgetan hatte.
So endete der 2. September 1914, der eigentliche Sclilußtag der
Schlacht von Komarow. Sie war ein unendlich mühevolles Ringen
mit vielen unliebsamen Zwischenfällen. Bei gleicher Bravour der
Truppen, doch bei Überlegenheit des Gegners in den Kampfmitteln,
behielten die eigene bessere Schlachtanlage und größere Beharrlich-
keit und Zähigkeit der Durchführung schließlich doch die Oberhand.
Dies darf man ohne Unbescheidenheit sagen, da es logischerweise
der Schlachtverlauf selbst ergibt.
Der operative Erfolg der Schlacht prägt sich am besten in der
Frage aus: Was wäre die Folge gewesen, wenn Komarow mit einer
Niederlage geendet hätte ? Zweifelsohne der Verlust des ganzen Feld-
zuges. Denn ein siegreicher Vorstoß der Russen aus dem Räume von
Komarow gegen den San hätte zu einem allgemeinen Debacle führen
müssen. Der Sieg konnte aber von dem Momente an keine größeren
operativen Erfolge erbringen, als die 3, Armee geschlagen war, wo-
durch der eigene direkt gegenüberstehende Gegner nicht durchzügig
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918