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Kommen gerade vom Brotfassen, mit Wecken vollgepackt. Sollen
durch meine Anwesenheit nicht gestört werden. Ich winke ihnen zu
und quittiere die Hoch-, Hurra-, 2ivio-, Slava-, Eljenrufe. Freue
mich über gute Stimmung unter den Leuten. Ein langer Korporal
von den 84ern entpuppt sich als Marqueur des Cafe de l'Europe am
Stefansplatz. MeinStammcafe. Ich begrüße ihn als guten Bekannten,
was er stolz schmunzelnd entgegennimmt und Hurra ruft!" (8 Tage
später lag der arme Mann in einem Leichenhügel nördlich Grodek.)
,,Ich berufe den anwesenden Korpskommandanten Friedl und den
Divisionäi Erzherzog Peter Ferdinand zu mir, um den Verlauf der
Schlacht zu besprechen. Befrage erstehen über seine Eindrücke be-
züglich Verhaltens und Geist der Leute." (Bei den wechselvollen,
in den Einzelheiten nicht durchaus erfolgreichen Kämpfen, die sich
bei diesem Korps abgespielt hatten, war ich in jenem Moment über
dessen Gesamtleistung noch nicht völlig im Klaren.) ,,Spreche aber
anerkennende Worte^) und appelliere für weiterhin an Tüchtigkeit."
„Dann nehme ich Erzherzog Peter Ferdinand vor. Ich wies vor-
erst darauf hin, daß wir uns doch nicht im Manöver, sondern im
Kriege befänden, der von uns allen unter Umständen auch die vollste
Aufopferung verlangt, und sagte dann mit ernster Miene: ,Kaiser-
liche Hoheit, ich bedaure! Sie haben Gelegenheit gehabt, dem Vater-
land einen großen Dienst zu erweisen und sich selbst den Theresien-
orden am Schlachtfelde zu erringen. Sie haben beides an sich vor-
übergehen lassen. Durch Ihren Rückzug am 31. August haben Sie
die Armee um ihre wertvollsten Früchte gebracht!' Der Erzherzog
ist auf diese Reprimande sichtlich vorbereitet. Er steht schon mit
einer Spezialkarte da, auf der sein Gener^lstabschef, Oberstleutnant
Heller, die Situation vom Mittag des 31. eingezeichnet hat. Auf
Grund dieser Skizze redet sich Peter auf die 9. Kavallerietruppen-
division aus. Deren Gefechtsarbeit am 30. und 31. war allerdings
sehr minderwertig, trotzdem läßt sich Peters verhängnisvolles Ab-
schwenken nicht gut entschuldigen. Ich sage ihm das mit ernsten
Worten, stelle weitere Erhebungen in Aussicht und empfehle mich
von ihm in kühler Weise."
Dies war mein Recht und es war sogar meine Pflicht. Außerdem
war es das Geringste, was ich tun konnte. Ob's aber für öster-
reichische Verhältnisse lebensklug war, ist eine andere Sache. Jeden-
falls verdarb ich mir es durch dieses, sowie durch mein weiteres Ver-
halten zu diesem kaiserlichen Prinzen endgültig mit allenmaßgeben-
^) Ich hatte daran wohlgetan. Denn nach Klänmg vieler Details sah man,
daß das Korps, namenthch die 10. Infanterietruppendivision, vinter schwierigen
Verhältnissen ganz Erhebliches geleistet hatte.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918