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rate sofort auszufolgen. Wird pünktlich befolgt. Dem Hauptquartier
bleiben daher kaum mehr einige Konservenbüchsen und ein wenig
Zwieback."
,,Da alle Kommandanten des linken Armeeflügels in Krakoviec
versammelt sind und auch, um den anderen Armeekolonnen freieres
Spiel zu geben, lasse ich gleich Dispositionen für den 14. und 15. Sep-
tember ausgeben."
,,Nachmittags treten wir den Weiterritt an. Mittlerweile haben die
bei Swidnica imKampf gestandenenGruppen denRückzug begonnen,
und entlang der ganzen Sklolinie sind Kämpfe im Gang. Die Be-
nutzung der Chaussee gegen Radymno ist daher ausgeschlossen. Wir
entscheiden uns für den Fahrweg über Kalniköw. Da— im Moment,
als wir zu Pferd steigen— fliegt die erste Granate über Krakowiec.
Und da sich unsere Batterien mittlerweile bei Gnojnica etabliert
haben, stehen wir eigentlich zwischen den beiden Feuerlinien. Es
handelte sich aber nur um minder bedeutende Kräfte. Wahrschein-
lich die schon konstatierte Kosakendivision. Armeegruppenkomman-
dantErzherzogJosef Ferdinand wird daher angewiesen, durch kurzen
Vorstoß Gegner zurückzutreiben." (Was auch in der Folge gelang.)
„Ich und Stab verlassen den Ort. Am Südausgang meldet ein
Artillerieoffizier, daß der ganze Raum südlich des Ortes im Streu-
feuer der gegnerischen Artillerie liegt. Auf ein weiteres Ausbiegen
gegen Osten will ich mich aber nicht einlassen, i) Wir reiten daher
bei wiedereinsetzendem Regen durch die gefährdete Zone. Im Schritt,
um nicht Anlaß zu Mißdeutungen zu geben. Der Weg ist mit Flücht-
lingen bedeckt. Viele Juden. Die Armen glauben, ihr Leben und ihr
bißchen Hab und Gut durch Flucht retten zu können. DasWimmern
und Klagen ist jammervoll. Trost und Beruhigungsworte fruchten
natürlich nicht. Ein trauriges Kriegsbild! Von unserer Marschlinie
wenige Meter entfernt, hält rechter Flügel unserer Truppe im Terrain
gedeckt. Man kann das Einschlagen der Schrapnells und Granaten
in allernächster Nähe beobachten. Doch sind die Truppen durch
vorliegende Terrainwelle sichtlich vor Schaden bewahrt." (Es ist mir
noch jetzt unverständlich, warum die russische Artillerie unsere über
100 Reiter zählende Gruppe nicht mit einigen Schüssen beehrte.
Wahrscheinlichwurde siedurchdas eigene Lagenfeuer niedergehalten.)
,,Der Anblick des Gefechtes erweckt den Wunsch, den Verlauf des
sich langsam vorbereitenden Angriffes einiger eigenen Bataillone zu
beobachten. Doch ist der blutige Ernst der Situation eben keinSchau-
spiel, und ich will es auch vermeiden, den Armeestab länger als nötig
^) Schon vormittags gerieten unsere rückfahrenden Autos ins Infanterie-
feuer, das aber keinen Schaden verursachte.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918