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schauungen mit jenen der obersten Leitung leider nicht harmo-
nieren.
,,28. September. Regen! Ich fahre nach Tuchow zur Besprechung
mit den Kommandanten des II. und XIV. Korps, desgleichen mit
dem wieder genesenen Kommandanten des VI. Korps, Feldmarschall-
leutnant von Arz. Auf der Fahrt dahin das sattsam bekannte Bild
der nach allen Richtungen fahrenden Trains und der sich sammeln-
den Versprengten. Ich veranlasse, daß Hauptkommunikationslinien
in Sektionen geteilt und überall energische Offiziere als Regulierende
eingeteilt werden, umOrdnung aufrecht zu erhalten. NatürlichWun-
der darf man auch da nicht erwarten. Alles drängt sich doch auf
die wenigen Kommunikationen zusammen. Material und Proviant-
fassungen bedingen auch unausweichliche Gegenfahrten, wodurch
mühselig hergestellte Ordnung immer wieder gestört wird. Speziell
Laienaugen, und solche sind oft an den höchsten Stellen zu finden,
präsentiert sich dies höchst unvorteilhaft. Stehen dann die Besitzer
solcher Augen auch im Besitz großer Machtmittel, so entstehen leicht
die krausesten Verfügungen!"
,,Begegne schweren 15 cm-Haubitzbatterien, die zur Front mar-
schieren. Wie gut hätten wir solche bei Komaröw und Rawa Ruska
brauchen können, wenn auch veraltetes Material (Modell 1880) lange
nicht an jenes der Russen heranreicht. Desgleichen begegne ich der
IG. Kavallerietruppendivision und lasse sie defilieren. Ist am Morgen
des 27. überfallen und nahezu deroutiert worden. Zählt heute kaum
1600 Reiter. Effektive Gefechtsverluste betragen 100! Sprechendes
Bild des Zusammenbruches der alten noblen Reiterei! Muß nach
anderen organisatorischen Prinzipien zu einer Resurrektion ge-
bracht werden."^)
,,Die Rücksprache mit den Korpskommandanten zeitigt kein sehr
erfreuliches Bild. Nur Arz— VI. Korps— glaubt seiner Sache voll-
kommen sicher zu sein. Der Gegner scheint nur an und nördlich
der Straße Jaroslau—Krakau stark, doch langsam vorzugehen. Ver-
schiebt Armeeeinheiten unzweifelhaft auf das nördliche Weichsel-
ufer. Ist offenbar über das Eintreffen der deutschen 9. Armee voll-
auf informiert und wendet sich nun gegen sie. Nach Mitteilungen des
Armeeoberkommandos müssen übrigens heute Offensive und Vor-
marsch dieser Armee beginnen."
1) Dies geschah auch, und zwar noch während des Feldzuges— nach der
Methode Rawa Ruska. Also dem Wesen nach doch als berittene Infanterie.
Und just die 10. Kavallerietruppendivision erwarb sich in der Schlacht bei
Limanowa hohen Ruhm vmd wetzte hierdurch die Scharte vom 27. August
vollkommen wieder aus.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918