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kum noch rege. Überdies stand ich inWien für den serbischen Kriegs-
schauplatz in ernstester Kombination.
Der Zusammenbruch der gegen Serbien operierenden Armee war
mittlerweile mit vielen Einzelheiten allgemein bekannt geworden.
Die Nachrichten lauteten sehr betrüblich, und die bei solchen An-
lässen stets auftretenden Übertreibungen ließen einen vollständigen
Niederbruch der Armee annehmen. Da wurden denn in Armee und
Publikum viele Stimmen laut, die mich zum Nachfolger im Kom-
mando verlangten tmd darauf hinwiesen, daß mich auch meine Ver-
trautheit mit den Balkanverhältnissen zum Oberkommandanten der
dort in Verwendung stehenden Streitkräfte prädestinierte.
Selbst der sonst so wenig mitteilsame Chef der jVIüitärkanzlei ver-
sicherte mir später, daß man auf meine Person hatte greifen wollen.
Ich glaube, daß in erster Linie das Armeeoberkommando, speziell
der Armeeoberkommandant mit allen Mitteln dagegen agierte. Es
schien sogar, als stünde eine Audienz der Gemahlin dieses obersten
Heerführers damitimZusammenhange. ErzherzogFriedrichfürchtete,
sich desavouiert zu sehen, wenn ich, durch ihn amoviert, nun
wieder so rasch eine Auferstehung erlebt haben würde.
Indeß verhielt ich mich am Semmering vollkommen ruhig, schrieb
unter anderem für die ,,Neue Freie Presse" einen Weihnachtsgruß
für unsere braven Soldaten und war auf die Lösung der Komman-
dantenfragegespannt. Diese erfolgte danninderWeise, daßErzherzog
Eugen wieder reaktiviert und mitdem Kommando der in eine Armee
zusammengezogenen Streitkräfte an der Donau—Save betraut ^nirde.
Ich fühlte, daß mit diesem Schachzug für mich das definitive Ende
einer noch möglich gewesenen effektiven Tätigkeit gekommen war.
So nahm ich denn vom denkwürdigen Jahre 1914 und gleichzeitig
auch von meiner Lebensarbeit Abschied. Ich will nicht verschweigen,
daß ich mit der Wiederverwendung zu tiefst doch gerechnet, weniger
weil das kaiserlicheWortimHandbillett siemirverbürgt, sondern weil
ich geglaubt hatte, man würde einen Führer, der bewiesen, daß er
seine Sache verstünde, in dieser ernstesten Zeit des Staatslebens doch
nicht aus Übermut und Willkür ganz verkümmern lassen.
Das Jahr 1915 war das Jahr, das mir in weiterer Folge das größte
Leid erbrachte. Es begann und endete mit einem Freitag und frei-
täghch, im landläufigen Sinne, verlief es für mich auch tatsächlich.
Wenn es einen Zweck hätte, Zeitperioden zu fluchen, wahrlich ich
tat' es.
Im Beginn des Jahres gab es einen nicht allzu rosig gefärbten
Meinungsaustausch zwischen mir und dem Armeeoberkommando,
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918