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Gemisch ihrer Charakter- und Geistesgaben, nach ihrer Erziehung
und Umgebung die richtigen Mittelsmänner, um die Katastrophe
hereinbrechen zu machen und sie nicht aufhalten zu können. Ihr
persönliches Geschick war mitunter ungerecht hart und grausam.
Doch über Einzelschicksale, und sei es auch der Höchsten, geht
die Weltordnung mit souveräner Gleichgültigkeit hinweg, jenen
dunklen Zielen zu, die wir Menschen vielleicht ahnen, doch nie
zu erforschen vermögen. Was die Antike ,,Verhängnis" nannte,
lastete mit ganzer Schwere auf dem Zaren, und die fast nie fehlende
Ironie eines grausamen Geschickes erbrachte es, daß gerade jener
Herrscher, der denWunsch hegte, ein Friedensapostel zu werden, in
ein Meer von Blut und Tränen tauchen und darin auch untergehen
mußte."
,,Und die Armee? Die war eben das Produkt despotischer, auto-
kratischer und vor allem b^'zantinischer Erziehung. Zwar gut dis-
zipliniert und gegen den äußern Feind ein massiges und furchtbares,
wenngleich etwas plumpes Instrument, doch versklavt und daher
ohne wirkliches Interesse für die Dynastie und den Herrscher, wenn
beide auch scheinbar bis in die Wolken erhoben wurden. Nie haben
versklavte Armeen, deren Stützen— also die Offiziere— gewöhnt
wurden, in erster Linie nach der ,,obersten Meinung" zu fragen.
Großes geleistet, nochwaren sie ein wirklicherund verläßlicher Schutz-
schild, wenn sich ernste Gefahren für die obersten Träger der Macht
einstellten. Nur innerlich freie, selbstbewußte Männer, die bei aller
Königstreue den Mut der eigenen Überzeugung und das Gefühl der
eigenen Würde sich erhalten, werden nie zu Verrätern werden. La-
kaienseelen, und trügen deren Träger auch noch so goldbetreßte,
ordensübersäte Uniformen, werden sich entweder verkriechen oder
sich sofort der neuaufstrebenden Macht zuwenden, wenn sie ver-
meinen, daß sie stärker als die bisherige sein dürfte. Und auch auf
Prätorianer, deren Führer sich übrigens meist in Eifersucht bekriegen
und denen häufig Vaterlandsliebe fremd ist, wird nie ein Verlaß sein,
wie dies die Geschichte aller Zeiten weist. Treten dann noch bei
einem mäßig begabten und w^enig charakterfesten, ja vielleicht auch
eigensinnigen Herrscher Akte der Ungerechtigkeit imd Wülkür und
eines an Cäsarenwahn gemahnenden Despotismus dazu, dann bedarf
es eben nur kritischer Momente, auf daß dieser Herrscher urplötz-
lich seiner tönernen Machtlosigkeit bewußt wird und ins Exil oder
aufs Schafott wandern muß."
„Das mögen sich alle Könige sagen, die da meinen und glauben,
noch immer schrankenlos und nur den eigenen Impulsen folgend,
walten und herrschen zu können ..."
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918