Page - 476 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Siege der Welt ein Erlöser undPfadweiser werden können. Versailles,
St. Germain und Trianon werden aber durch Jahrhunderte eine
bluttriefende Geißel bleiben.—
Den Sommer und Herbst des Jahres 1917 brachte ich wie alljähr-
lich auf Schloß Rutzing zu, und ähnlich wie im Vorjahr hatte ich
Gelegenheit, das Toben der Schlacht mit anzuhören. Diesmal war's
die 10., und 11. Isonzoschlacht. Wieder die vernehmbaren Schläge
des Trommelfeuers, das Anschwellen und Näherrücken des Kampfes,
dann das Einschwenken des Feindes gegen Süden und das allmäh-
liche Erstarren in der erreichtenLinie. Wie gedrückt fühlte ich mich,
als kampffähiger Mann stummer, weitabstehender Zuhörer bleiben
zu müssen!
Das ganze Savetal war mit Truppen auf Retablierung, mit Ersatz-
formationen und Feldanstalten angefüllt. In der nächsten Nähe
unseres Sommersitzes kantonierte zuerst ein Bataillon des Infan-
terieregiments Nr. 8, gleich darauf das Infanterieregiment Nr. 55,
mit deren Kommandanten und Offizieren wir einen anregenden Ver-
kehr pflegten. Die Truppen machten einen günstigen, kriegerischen
Eindruck, und als sie rasch nacheinander alarmiert wurden und in
die tosende Schlacht abrückten, nahmen wir von ihnen bewegten
Abschied.
Unmittelbar darauf kamen die Deutschen. Es waren die Divi-
sionen, die unter Below zur 12. Isonzoschlacht herangezogen wurden,
da die kritischen Ereignisse und die daraus resultierende bedenkliche
taktische Situation der vorhergegangenen 11. Isonzoschlacht bewie-
sen, daß wir auch an dieser Front deutscher Unterstützung nicht
entraten konnten. Stellte man einen Vergleich zwischen unseren und
den deutschen Truppen an— theoretisch, denn praktisch war es
mir doch nicht vergönnt, so sehr ich es auch gewünscht hätte—
so läßt sich derVergleicham bestenfolgendermaßen zusammenfassen.
Zwischen den Leuten an sich, zwischen der inneren Ordnung des
Dienstganges und der Disziplin war kein wesentlicher Unterschied
zu merken. Doch gewissermaßen vom Hemd am Leibe angefangen,
in der Ausrüstung, im Pferdematerial, Train und Nachschub waren
die Deutschen zweifellos weit überlegen. Sie waren vielleicht keine
sehr angenehmen Gäste, weil sie rücksichtslos forderten, wessen sie
bedurften. Sie zahlten wohl, doch nach dem amtlichen Preisregister,
der die tatsächlichen Preise bedeutend unterbot. Die Bevölkerung
war ihnen nicht überall hold, was auch durch die nationale Differenz
bedingt war. Doch die Ordnung wurde nirgends gestört, woran der
große Respekt, den die Deutschen sich überall zu verschaffen wußten,
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918