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hätte nichts geändert, denn der Staat lag damals schon eben in
Agonie.—
Trotzdem, ja vielleicht eben darum, machte sich just in jener Zeit
der Byzantinismus in ganz besonderer Weise geltend. Das Herrscher-
paar wurde durch Schmeichelei, Liebedienerei und Servilismus völlig
betört, woran sich leider nicht nur die Hofschranzen beteiligten.
Was Wunder, wenn das junge Paar dann wirklich an seine Gott-
ähnlichkeit glaubte!
Byzantinische Extempora waren immer das sichere Kennzeichen
eines staatlichen Niederganges.—
Im Frühjahr 1918 hielt ich auf Ersuchen der Vereinsleitung der
,, österreichischen politischen Gesellschaft" einen Vortrag, darin ich
meine Anschauung über die indessen eingesetzte große Offensive an
der Westfront darlegte.
Ich sprach über die Entwicklung des Weltkrieges im allgemeinen.
Der deutschen Heeresleitung gedachte ich in rühmendsten Worten,
hielt jedoch mit äer berechtigten Frage und Kritik zurück, warum
diese Offensive — gleich jener im Frühjahr 1916 — ohne unsere
Mitwirkung zur Ausführung gelangt war. Diese Zurückhaltung war
um so notwendiger, als die Operationen sich im vollen Gange be-
fanden.
Jetzt, zwei Jahre später, kann darüber freimütig gesprochen wer-
den, da man auch die Zusammenhänge klarer erkennen kann. Als
authentischer Behelf hierzu kann die Erklärung gelten, die der be-
vollmächtigte General bei der deutschen Botschaft, Generalmajor
von Cramon, im Frühjahr 1919 niederlegte, als Entgegnung auf einen
vom österreichischen Generalmajor von Lerch gehaltenen und zur
Veröffentlichung gdangten Vortrag, der sich mit der erwähnten Frage
beschäftigte. Ich gebe diese Gegenerklärung im Auszuge wörtlich
wieder.
,,Dem Herrn Verfasser (General von Lerch) dürfte bekannt sein,
daß tatsächlich seit Ende 1916 eine gemeinsame oberste Kriegsleitung
bestanden hat, bei der in letzter Instanz der deutsche Kaiser die Ent-
scheidung haben sollte. Aber nicht bekannt wird ihm sein, daß diesem
gemeinsamen Oberbefehl seitens des kaiserlich und königlichenArmee-
oberkommandos zu wiederholtenmalen eine schwere passive, aber un-
bedingt zielbewußte Resistenz entgegengesetzt wurde, die zu brechen
aus allen möglichen, hier nicht näher zu erörternden Gründen leider
nicht gelang.
. , ."
„Es sind andere Einflüsse gewesen, die ein gedeihliches Zusammen-
wirken nicht aufkommen ließen und die es wiederholt verhinderten,
alle verfügbaren Kräfte an eine Stelle zusammenzuziehen. Daß die
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918