Page - 508 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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erst in fünf Jahren möglich sei, wo man neuerdings über die Aus-
gestaltung der Armee verhandeln könne.
Der Kriegsminister
erwidert, daß, wenn er auch die nachgesuchte Ermächtigung erhalte,
selbst bei schleunigster Bestellung mindestens ein Jahr ver-
ginge, bevor letztere effektuiert werden könne. Zieht man die Sache
aber noch hinaus, dann könnte der Moment eintreten, wo dies zu
spät sei. Als Soldat treibe er keine Politik, doch könne er die Augen
nicht verschließen und über die Truppenmassierungen in Oberitalien
und den pathologischen Zustand des italienischen Volkes nicht ein-
fach hinausgehen. Er erbitte sich daher nochmals die prinzipielle
Zustimmung, die Bestellung machen zu dürfen. Die Bezahlung,
respektive die budgetmäßige Bedeckung könne ja später erfolgen.
Der königlich ungarische Ministerpräsident
möchte sich in gewisser Beziehung den Ausführungen seines öster-
reichischen Kollegen anschließen. Man könne ein halbes Jahr nach
abgeschlossenem Faktum nicht mit neuen Anforderungen kommen.
Nach seiner Anschauung habe sich nichts Überraschendes ereignet.
Das, was in Italien vorgeht, geschieht seit Jahren und es kam doch
zu keinem Krieg, und wenn diese Dinge dort auch fortgesetzt werden,
wird es doch zu keinem Kriege kommen.
. . .
Er müsse sich auf das entschiedenste dagegen aussprechen, daß
man eine Ermächtigung ausspreche und die Bedeckung dann erst
suche.
. . .
(Bogen II:)
Der Vorsitzende, Graf Aehrenthal
kehrt hervor, daß zu den außerordentlichen Vorschlägen des Kriegs-
ministers beide Ministerpräsidenten und der königlich ungarische Fi-
nanzminister das Wort ergriffen und ihren Standpunkt sehr klar
zum Ausdruck gebracht haben, der im großen und ganzen ablehnend
sei.
Beide Minister würden selbstverständlich mit der Bewilligung
nicht zögern, wenn der verantwortliche Minister einen Krieg für
imminent hielte. Seine Pflicht sei es daher, zu dieser Frage in prä-
ziser Weise Stellung zu nehmen. Indem er dies tue, müsse er— über-
einstimmend mit dem Grafen Khuen — erklären, daß er keinen
Grund sehe, weshalb die Kriegsgefahr jetzt größer sein sollte, wie
vor einem Jahr. . . .
Der Minister des Äußeren müsse daher an dem Grundsatze fest-
halten, tunlichst alles zu vermeiden, was geeignet wäre, in Italien
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918