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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
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Page - 168 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

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168 von dort per Schiff nach Palästina.480 Darunter war auch der aus Leoben stammende Gideon Röhr, der über seine Flucht wie folgt berichtete: „Der Transport umfasste 360 Teilnehmer im Alter von 15 bis 30  Jahren, davon vier aus Leoben. Die ersten Schwierigkeiten traten schon beim Grenz- übergang in Spielfeld auf, wo ein Teil der Teilnehmer zurückgehalten wurde. Erst nach zähen und schwierigen Verhandlungen und nach einer äußerst strengen Grenzkontrolle, wobei jegliche Gegenstände wie Ringe, Uhren und Armbänder rücksichtslos beschlagnahmt wurden, durften wir am nächsten Tag die Weiterreise durch die Balkanländer in plombierten Waggons an- treten. Nach kurzem Aufenthalt in Griechenland wurden wir auf drei aus- gediente Fischkutter eingeschifft, deren Besatzung sich nicht mit Fischerei, sondern mit Menschen- und Waffenschmuggel beschäftigte. Nach zehntägi- ger Reise ohne richtige Verpflegung und unter miserablen sanitären Verhält- nissen wurden wir auf offener See auf einen der Fischkutter umgebootet und so zusammengepfercht dauerte es noch Tage, bis wir die palästinensische Küste erreichten. Die Ausbootung geschah in der Dunkelheit, um nicht von britischen Polizeipatrouillenbooten entdeckt zu werden. Von der Küste aus wurden Lichtsignale gegeben, auf Grund derer Rettungsboote flott gemacht wurden, die uns in die Nähe des Strandes brachten. Den Rucksack am Rü- cken, meine Geige in der erhobenen rechten Hand, sprang ich aus dem Boot und kämpfte mich durch die Brandung an Land.“481 Nachdem das von internationalen jüdischen Organisationen, jüdischen Privatiers, und teils von der Wiener Kultusgemeinde mitfinanzierte Unternehmen bekannt wurde, stiegen die Mitgliederzahlen des „Betars“ sprunghaft an und es meldeten sich immer mehr Personen zu Schiffstransporten an. Angesichts der beschränk- ten Aufnahmefähigkeit der Schiffe wurde an der strengen Auswahl der Teilneh- merinnen und Teilnehmer, die ein Vorbereitungsprogramm absolvieren und eine einwandfreie körperliche und geistige Verfassung haben mussten, zumeist aber festgehalten. Perl und der Großteil der anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren im Sommer und Herbst 1938 selbst emigriert, das Büro am Stubenring wurde im Januar 1939 von den Nationalsozialisten geschlossen. Im März 1940 übernahm der „Ausschuss für jüdische Überseetransporte“ unter der Leitung von Berthold Storfer die Funktion der zentralen Koordinationsstelle für sämtliche aus dem Reich abgehende Palästina-Transporte (siehe unten). Trotz der vor allem auf den weit verzweigten Netzwerken basierenden großen Erfolge der Gruppe um Perl ist eine erstaunlich hohe Anzahl an „revisionistischen“ Transporten von den Briten aufgegriffen worden. Zahlreiche Einzelheiten zur Pla- 480 Vgl. Wolfgang von Weisl, Illegale Transporte. In: Ders. (Hg.): Die Juden in der Armee Österreich- Ungarns, Tel Aviv 1971, S. 23–34. 481 Victoria Kumar, In Graz und andernorts. Lebenswege und Erinnerungen vertriebener Jüdinnen und Juden, Graz 2013, S. 132.
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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Title
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Subtitle
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Author
Victoria Kumar
Publisher
Studienverlag Ges.m.b.H.
Location
Innsbruck
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Size
15.6 x 23.4 cm
Pages
216
Keywords
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Categories
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