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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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77 Alcide De Gasperi und die österreichische Politik vom Reich bis zum „Anschluss“ wichtig zu schauen, wie sich die österreichischen politischen Kräfte entwi- ckeln: wie sich die Vaterländische Front festigt und welche Funktionen sie übernehmen wird, als mehr oder weniger totalitärer Vertreter der politischen Tätigkeit, ohne Parteien; und welche Rolle dabei die militarisierten Organi- sationen einnehmen werden. Und am interessantesten ist die Frage, ob es ihr gelingen wird, die sozialistische Masse zurückzugewinnen. Die Christsozia- len bemühen sich außerodentlich, sich diesen anzunähern.96 An dieser Stelle nannte De Gasperi die Namen von Bürgermeister Ernst Karl Winter, Leopold Kunschak und Franz Hemala, die an diesen Bemühungen beteiligt waren. Nicht einmal die Errichtung der Einheitsgewerkschaft der Vaterländischen Front hinderte De Gasperi zufolge etwas an der Fortsetzung der Mission der christlichen Gewerkschafter, trotz der Kritik der christlichen gewerkschaftlichen Internationale von Utrecht und des christlichen Gewerk- schaftskongresses97. In der Ausgabe vom 16. August 1934 kam De Gasperi wieder auf den österreichischen Katholizismus zurück, der in diesen Wochen vom Mord an Dollfuß tief gezeichnet war. Er schrieb nichts von den internationalen Reak- tionen auf das Geschehen und insbesondere nichts über die italienisch-deut- schen Spannungen, die der Ermordung folgten. Er schilderte stattdessen das, was der neue Kanzler Schuschnigg verkündet hatte: Eine Rückkehr zur par- lamentarischen Demokratie sei ausgeschlossen, aber man hätte einen Weg ge- funden, das Wahlprinzip durch die Korporationen wiederherzustellen. Das Volk würde bald aufgefordert werden, die Weisungen von Dollfuß und der aktuellen Regierung zu bestätigen. Die Wiener Christsozialen – zur Diktatur gezwungen, um die Unabhängigkeit zu retten; genötigt, das parlamentarische System aufzugeben, um nicht der Demagogie zu erliegen; gedrängt, Parteientruppen zu organisieren, um sich der Gewalt Hitlers Organisationen entgegenstellen zu können – bemühen sich dennoch, ein System zu schaffen, das weder staatlich noch individualistisch ist, das auf der Kraft des Gesetzes gründet und nicht auf dem Gesetz der Kraft. Dieses Bemühen, diese Suche, war die Tragödie Dollfuß’. 96 Spectator, QI, 16. Mai 1934 2172 f. (Übers. d. Verf.) 97 Spectator, QI, 16 . Juni 1934 2179 f.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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