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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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79 Alcide De Gasperi und die österreichische Politik vom Reich bis zum „Anschluss“ nicht auch Österreicher. Die österreichische Jugend, auch die ohne Arbeitsplatz, sieht eine unverhältnismäßigen Ausübung von vielen Berufen durch Juden und schaut auf die radikalen Maßnahmen des Dritten Reiches.103 Daraus entstand auch die Ent- scheidung, kommentarlos und ohne jegliche Distanzierung einen Text des Wiener Korrespondenten der Freiburger „Liberté“ zu veröffentlichen. Dieser letzte Beitrag – nachdem er die Verfolgungen der Juden und Christlichsozialen kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs erwähnt hatte – wies jedoch darauf hin, dass sich diese Opfer des neuen Regimes auf wenige Hunderttausend re- duzieren könnten, während die arischen Österreicher, die täglich die Vorteile zur allgemeinen wirtschaftlichen Verbesserung genießen würden, mehr als sechs Millionen seien. Außerdem: Die Auflösung der jüdischen Vermögen erweitert die geschäftlichen Perspektiven für die anderen und die freigesetzten Posten als Anwälte und Ärzte bieten Zugang zu Karrieren.104 Diesen Beurteilungen standen jedoch andere Texte gegenüber, in denen De Gasperi sowohl den Vorrang des Men- schen und seiner Rechte als auch die Gültigkeit des Gleichheitsgrundsatzes der Bürger sowie den deutlichen Unterschied zwischen der christlichen Glaubens- lehre und dem extremistischen Antisemitismus betonte. Er vergaß auch nicht, die mäßige Entwicklung der Positionen Luegers hervorzuheben. Letzterer sowie seine Anhänger mäßigten ihren Antisemitismus sehr bald mit der christlichen Glaubenslehre und Schritt für Schritt […] betrachteten sie den Antisemitismus nur noch als eine notwendige wirtschaftliche Verteidigungspolitik, die von den zeitgenöss- ischen Rahmenbedingungen bedingt wurde, während das positive und dau- erhaft zu rekonstruierende Werk die christliche Sozialreform sein sollte. Das Christentum bändigt diese grausamen Antisemiten105 auf diese Weise, schrieb De Gasperi und bezog sich dabei auf andere zeitge- nössische Wortführer in Wien. Die interessantesten Artikel zur österreichischen Situation stammen aus der Zeit zwischen Mai 1933 und August 1934. Mit dem Tod von Dollfuß verblass- te De Gasperis Interesse für Österreich. Zwischen 1936 und 1937 beschäftigte 103 Spectator, QI, 1. Jänner 1934 2129. (Übers. d. Verf.) 104 Spectator, QI, 1. Juli 1938 2731. (Übers. d. Verf.) 105 Spectator, QI, 1. März 1938 2684. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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