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Maddalena Guiotto
ment in ernster Gefahr110. Am 16. Juni berichtete De Gasperi von der Auflösung
der katholischen Studentenverbindungen und der Akademikerverbände in
Österreich, eine Information der „Reichspost“, und er fügte eine persönliche
Bemerkung hinzu: Ein Schlag mit der Axt reißt nun den Baum nieder, der so viel
Laub geworfen hatte.111 Ab dem 1. September distanzierte er sich von der neuen
Art der „Reichspost“, die nach der Verhaftung des Chefredakteurs Friedrich
Funder im März 1938 an der Politik des Regimes ausgerichtet und Ende Sep-
tember eingestellt wurde112. In den folgenden „Quindicine“ wurde auch von
Angriffen auf Österreichs konfessionelle Schule berichtet, die immer gnaden-
loser und repressiver wurden113. Die letzte Ausgabe vom 16. Oktober endete
mit einem langen Bericht De Gasperis über die immer dichteren Angriffe des
Naziregimes auf die österreichische Kirche trotz des anfänglichen Nachge-
bens der österreichischen Bischöfe gegenüber dem Nationalsozialismus.
Die Gleichstellung der Privatschulen wurde widerrufen, geistliche Lehrende
wurden von den öffentlichen Schulen entfernt, der Religionsunterricht ist nicht
mehr obligatorisch, sondern fakultativ, die Gebete zu Beginn und am Ende der
Unterrichtsstunden sind verboten, einige bischöfliche Gymnasien wurden ge-
schlossen […] und die „Reichspost“, die selbst aufgehört hat zu leben, scheint
mit ihrem Tod das Ende von solch inbrünstigen Illusionen zu bestätigen.
Zum Gegenstand der Attacken des Regimes wurden Kardinal Theodor Innit-
zer, die Theologische Fakultät Salzburg und jegliche auch noch so zaghafte
Form des Widerspruchs der Kirche gegenüber der Politik des Regimes114.
Die „Illustrazione Vaticana“ stellte ihre Publikation mit dieser Ausgabe ein
und somit schloss „La quindicina internazionale“, was Österreich und Zent-
raleuropa allgemein betraf, besonders bitter: Es ist ein weiterer Rückschlag, den
die Katholiken der tristen Bilanz Zentraleuropas hinzurechnen müssen115.
110 Spectator, QI, 1. Mai 1938 2707. (Übers. d. Verf.)
111 Spectator, QI, 16. Juni 1938 2729. (Übers. d. Verf.)
112 Spectator, QI, 1. September 1938 2757 f.
113 Spectator, QI, 16. September 1938 2763; 1. Oktober 1938 2772 f.
114 Spectator, QI, 16. Oktober 1938 2773 ff. (Übers. d. Verf.)
115 Ebd. 2775. (Übers. d. Verf.)
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918