Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Page - 91 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 91 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Image of the Page - 91 -

Image of the Page - 91 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text of the Page - 91 -

91 Italien als Vorbild für Österreich? Natürlich: Die Heimwehren waren gegen den Marxismus und gegen den Klassenkampf, für eine Stärkung der staatlichen Exekutive. Doch der Heim- wehrbewegung fehlten – zum Unterschied von Mussolinis Faschisten – die Wurzeln von links, der Rückhalt bei den Massen. Die Heimwehrbewegung vermochte eine Zeitlang die Fronten des Kulturkampfs zu transzendieren, Klerikale und Freisinnige im Kampf gegen die Linke zu sammeln, aber die Fronten des Klassenkampfes aufzubrechen blieb ihr verwehrt. Ihre Führer mochten noch so oft ihr soziales Gewissen betonen, aber sie galten doch in erster Linie als Sprachrohr der alten Eliten, die mit dem Umsturz von 1918 ihre führende Stellung eingebüßt hatten. Die Heimwehren waren eben kei- ne wirkliche nationalrevolutionäre Volksbewegung, die in der Lage gewesen wäre, den Marxisten auch unter den Arbeitern mit Aussicht auf Erfolg ent- gegenzutreten. Es gab im Einzugsbereich der Heimwehren freilich eine Strömung, die zumindest auf den ersten Blick große Gemeinsamkeiten mit dem italieni- schen Faschismus aufwies, nämlich der Kreis um Othmar Spann und seine Lehre von der „berufsständischen Ordnung“25. Ja, Spann war Mussolini in dieser Beziehung sogar um einiges voraus: Er hatte mit seinen Vorlesungen über den „wahren Staat“ schon 1920 begonnen. Spann avancierte an der Uni- versität Wien zur Kultfigur, seine Vorlesungen waren ein Publikumsmagnet. Seine Suche nach einem „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Sozia- lismus traf einen Nerv, ein dringendes Bedürfnis von Antimarxisten ohne Kapital. Dabei sah Spann sich keineswegs als Synthese der bisherigen Welt- anschauungen, sondern als deren konsequente Fortentwicklung: Der Marxis- mus war für ihn bloß „gewendeter Liberalismus“, erst der Korporativismus brachte seiner Meinung nach den Durchbruch zu einer neuen Sicht der Ge- sellschaft. Der Bolschewismus erschien ihm dabei übrigens bereits als ein gewisser Fortschritt im Sinne einer Überwindung der rein materialistischen Lehre Marx’, denn darin „liegt ein Stück Tolstoi, ein öffentliches Bekenntnis 25 Vgl. Martin Schneller, Zwischen Romantik und Faschismus. Der Beitrag Othmar Spanns zum Konservativismus der Weimarer Republik (= Kieler Historische Studien 12, Stuttgart 1970); Sebastian Maass, Dritter Weg und wahrer Staat. Othmar Spann – Ideengeber der Konservativen Revolution (Kiel 2010).
back to the  book Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung