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Luca Riccardi
Kanzler um Kontinuität bemüht. Noch am Tag vor der Überreichung des Be-
glaubigungsschreibens traf er Salata und sicherte ihm zu, dass er auch in der
neuen Funktion seine wichtigste „Kontaktstelle“ zu Rom bleibe. Schuschnigg
wollte ihn als Kanal für der eigentlichen Außenpolitik ferne Themen115 nutzen und
auf diese Weise die Unterstützung des Palazzo Venezia gewinnen. Für Mus-
solini war Österreich aber nicht mehr von substanzieller Bedeutung, sondern
Teil der komplexen Beziehungen zu Nazideutschland.
Es war nicht das erste Mal, dass Schuschnigg versuchte, mithilfe Sala-
tas herauszufinden, in welche Richtung Mussolinis Absichten gingen. Auch
kurz nach Unterzeichnung des Juliabkommens hatte er gegenüber Salata die
Bedeutung einer italienischen Garantie betont. Dieser versuchte am 22. Juli,
den österreichischen Kanzler zu beruhigen, gab aber seiner „persönlichen
Meinung“116 Ausdruck, wonach eine italienische Garantie unangebracht und
der Verweis auf die Römischen Protokolle im Abkommen mehr als ausrei-
chend sei. In den Augen Salatas lag die Zukunft Österreichs auf jeden Fall in
den Händen Italiens und dessen Verhältnis zu Berlin:
Entweder dauern unsere Beziehungen zu Deutschland wie sie jetzt sind fort
oder sie werden enger und dann versteht es sich eine italienische Garantie von
selbst […] Oder die italienisch-deutschen Beziehungen verändern sich und
in diesem Fall würde automatisch das Interesse und der Wille Italiens wieder
entstehen, die Unabhängigkeit Österreichs gegen jede Bedrohung zu schützen,
so wie es am 25. Juli 1934 der Fall war.117
In den folgenden Wochen begann Salata die Veränderung des politischen Kli-
mas zu begreifen. Der Gesandte sprach gegenüber Außenminister Galeazzo
Ciano von einem „schweren Missverständnis“ hinsichtlich Österreichs Zu-
kunft und der Beziehungen zu Deutschland:
115 Salata an Ciano, 3. September 1936, ebd., CS, b. 275, f. 1909. (Übers. d. Verf.)
116 Riccardi, Francesco Salata 388.
117 Salata an Ciano, 22.–23. Juli 1936, DDI, serie VIII, Bd. IV, d. 607 (Übers. d. Verf.).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918