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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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136 Paolo Valvo riarch von Venedig, zu seinem Legat a latere ernannte. Darin betonte er, bei den Mauern Wiens wurde weder für die Rettung einer einzigen Stadt noch für die einer einzigen Nation gekämpft, sondern für die katholische Religion und für die christliche Kultur ganz Westeuropas8. Zweihundertfünfzig Jahre später schien Österreich ein weiteres Mal mit einer globalen Mission betraut zu sein, wie der Jesuit Do- menico Mondrone in „La Civiltà Cattolica“ bestätigte: Während es der kleinen Republik Österreich gelungen ist, an diesen Tagen die Blicke und die Bewunderung der gesamten katholischen Welt auf sich zu ziehen, hat sie der Gedenkfeier in Wien auch eine besondere Bedeutung verliehen, die eines festlichen Akts zur Wiedergutmachung der Apostasie zahlreicher Völker und der Heucheleien vieler Nationen gegenüber Gott9. Am darauffolgenden 27. September betonte Dollfuß bei der dritten Sitzung der 14. Vollversammlung des Völkerbunds, dass sich die neue österreichische Ver- fassung auf die von Papst Leo XIII. und Papst Pius XI. erklärten Prinzipien stüt- ze. Seine Rede schaffte es auf die erste Seite des „L’Osservatore Romano“10, wo sie ebenfalls ausführlich von Guido Gonella unter der Rubrik „Acta Diurna“ kommentiert wurde. Der Journalist – bereits Direktor der Zeitschrift „Azione Fucina“ des katholischen Studentenverbands Federazione Universitaria Catto- lica Italiana (FUCI) und später Abgeordneter der Christdemokraten nach dem Zweiten Weltkrieg – führte diese Rubrik von 1933 bis 1940. Schon diese kurzen Einblicke können dabei helfen, zu verstehen, wa- rum das österreichische politische Experiment jenen Bereichen des italieni- schen Katholizismus als Quelle der Inspiration diente, die aktiv nach einem „dritten Weg“ zwischen liberalem Kapitalismus und sozialkommunistischem Kollektivismus suchten. Bevor sich das Interesse der Katholiken auf Öster- reich richtete, hatte es sich im Übrigen auf das faschistische Regime konzen- triert. Dessen korporativistische Ausrichtung, die im Gesetz vom 3. April 1926 betreffend die gesetzliche Regelung der kollektiven Arbeitsbeziehungen angekündigt und mit der Arbeitsverfassung vom 21. April 1927 explizit fest- gelegt wurde, hatte sich im darauffolgenden Jahrzehnt konkretisiert11. Wenn 8 Wiedergegeben in Mondrone, Trionfi 117. (Übers. d. Verf.) 9 Ebd. 127. (Übers. d. Verf.) 10 La discussione generale nella XIV Assemblea della Società delle Nazioni. Dollfuss riafferma la volontà dell’Austria di basare le riforme sugli insegnamenti pontifici, in: L’Os- servatore Romano, 29. September 1933 1. 11 Eine der aktuellsten Studien zum Thema siehe Alessio Gagliardi, Il corporativismo fascista (Roma–Bari 2010).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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