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Paolo Valvo
Nur sporadisch war jedoch der Kontakt zu Johannes Messner, einem anderen
Hauptvertreter des österreichischen katholischen Korporativismus33.
Die Azione Cattolica, die FUCI und das Movimento Laureati
Die an der Università Cattolica del Sacro Cuore gereiften Überlegungen zur
korporativen Staatsordnung – und folglich zum korporativen Versuch in Ös-
terreich – fanden bei der Azione Cattolica ein signifikantes Echo. Insbesonde-
re in der ersten Hälfte der 1930er-Jahre hat man sich mit diesem Thema in den
Publikationen häufig befasst. In „L’Assistente Ecclesiastico” wurde beispiels-
weise im März 1934 eine Zusammenfassung des bereits erwähnten Essays
publiziert, den Pater Brucculeri in „La Civiltà Cattolica“ veröffentlicht hatte34.
Auch die Zeitschrift „Gioventù“ der Azione Cattolica publizierte einige Ar-
tikel von Brucculeri, in denen der Jesuit die bereits an anderen Stellen darge-
legten Inhalte wieder aufnahm und gleichzeitig detailliert die Tatsache aus-
führte, dass der faschistische Korporativismus nur teilweise die von Pius XI.
in der „Quadragesimo anno“ angeordneten Richtlinien umsetzte35. Weniger
verschwommen war die Position, die „Bollettino Ufficiale dell’Azione Catto-
lica Italiana“ einnahm. Die Zeitschrift hatte im Dezember 1933 einen Artikel
über die bevorstehende Umsetzung des korporativen Systems in Italien ver-
öffentlicht, in dem bekräftigt wurde, die Katholiken sind für eine vollständige
und einheitliche Lösung der schwerwiegenden Probleme betreffend die Regelung der
wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen und sehen in der Korporation – auf der
Grundlage der Prinzipien der katholischen Soziologie – das aufgrund ihrer Tradition
und funktionalen Fähigkeit geeignetste Mittel zur Lösung dieser Probleme36.
33 Gemelli schickte Messner auf Anweisung von Francesco Vito im Juni 1935 ein Exem-
plar von Band I der „Problemi fondamentali dello Stato corporativo“ (Milano 1935), das eine
von der „Universität Cattolica“ und dem katholischen Verband für Sozialwissenschaften in
die Wege geleitete Vorlesungsreihe zusammentrug, die vom 25. bis 31. März 1935 stattfand.
Ebenfalls hatte Vito im März 1935 Messners bedeutenden Buchband „Die soziale Frage der
Gegenwart“ in der „Rivista Internazionale di Scienze Sociali“ rezensiert (Johannes Messner,
Die soziale Frage der Gegenwart, Zweite und Dritte unveränderte Auflage (Wien 1934), in:
Rivista Internazionale di Scienze Sociali 2 (1935) 272–273).
34 Angelo Brucculeri, La corporazione, in: L’Assistente Ecclesiastico 3 (1934) 160–163.
35 Ders., Corporativismo fascista, in: Gioventù Italica 1 (1934) 11–13 und Ders., Pio XI e
l’ordinamento corporativo, in: Ebd. 7 (1934) 195–196.
36 La Corporazione, in: Bollettino Ufficiale dell’Azione Cattolica Italiana 12 (1933) 411.
(Übers. d. Verf.) Dem Artikel folgte eine weitere historische Vertiefung, aus der die Bedeu-
tung des korporativen Prinzips für die katholische Soziallehre hervorging (I Cattolici e la
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918