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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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148 Paolo Valvo tie abzuhalten. Daraufhin holte Pacelli diesbezüglich die Meinung des Nunti- us in Wien ein, der antwortete, dass ein Intervenieren bei Dollfuß überflüssig und kontraproduktiv wäre, weil eine Nachgiebigkeit von Seiten des Kanzlers nicht erwünscht sei. Das Urteil des Papstes war noch ausdrücklicher, wie aus den Aufzeichnungen Pacellis weiter hervorgeht: Der Heilige Vater wünscht, dass der Kanzler alles tut, was er tun muss, um die Ordnung endgültig wiederherzustellen. Es war der Fehler von Seipel, der Wien den Sozialisten zu einem gegebenen Zeitpunkt hätte wegnehmen könn- en; aber er besaß nicht den Mut, dies zu tun. Da ist eine Härte, die sich in Barmherzigkeit wandelt. Der Heilige Vater wird sich davor hüten, Dollfuß einen Rat zu geben.51 2. Zwischen Mythos und Realität: Österreich als „katholischer Staat“ in der italienischen Debatte Der Februaraufstand 1934, der bei der katholischen Presse beinahe überall auf Missbilligung stieß52, gab gleichzeitig den Anstoß für umfassendere Be- wertungen des von Dollfuß propagierten, hochgesteckten Reformprogramms für den Staat. Eher vage, im Vergleich zur Deutlichkeit der Urteile von Pius XI., war zum Beispiel Alcide De Gasperis Stellungnahme in „L’Illustrazione Vaticana“. De Gasperi erinnerte daran, dass die Sozialisten sich bereit erklärt hatten, bei einer Verfassungsreform mitzuwirken, sofern dabei legale Wege eingeschla- gen würden, das allgemeine Wahlrecht aufrechterhalten und die Gewerkschaftsfrei- heit geschützt würde. Darüber hinaus sagte er: Die Vorschläge waren im Grunde genommen fragwürdig: Wie soll man diesen gemeinsamen Weg mit einem Partner einschlagen, der ein Pulverfass besitzt, um dich in die Luft zu sprengen, wenn es ihm gerade gelegen ist? De Gasperi fügte weiter hinzu, dass auch die vorübergehende Zusammenarbeit erfordert, dass hinter der Front kein unerbittlicher Krieg geführt wird. Die Wiener Sozialisten hingegen entchristianisierten und fanatisierten die Ju- gend und bedienten sich der politischen Macht, um die Bedeutung der Familie zu 51 Valvo, Dio 93 und Klieber, Die moralische und politische Schützenhilfe 561–564. (Übers. d. Verf.) 52 Zum Beispiel Cronaca contemporanea, in: La Civiltà Cattolica I (1934) 556.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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