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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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167 Die katholische Welt Italiens und der christliche Ständestaat (die FUCI eingeschlossen) anscheinend zusammenlief116. Des Weiteren ist zu erwähnen, dass der Beitritt von Neuland zur österreichischen Katholischen Aktion Ende Mai 1936 damit zusammenfiel, dass sich die autonomiebestreb- ten Instanzen des katholischen Jugendverbands stärker gegen den Druck des Regimes zur Eingliederung in die Regierungsorganisationen wehrten. Es stellt sich somit zurecht die Frage, ob die Zeitschrift des Movimento Laureati, indem sie Neuland Gehör verschaffte, indirekt auf dieses Thema eingehen wollte, was jedoch tiefer gehende Kenntnisse seitens der Redakteure in Be- zug auf die Debatte um die Autonomie der katholischen Jugend in Österreich voraussetzen würde. Grund für die redaktionelle Entscheidung von „Studium“ konnte al- lerdings schlicht der Wunsch gewesen sein, die Leserschaft auf das hinzu- weisen, was wie ein beträchtlicher Gärstoff in der europäischen Landschaft der Jugendverbände schien. Die österreichische Streitigkeiten über die Un- abhängigkeit der katholischen Jugend sollte in den folgenden Monaten in einem immer angespannteren Klima fortdauern: Einerseits orientierte sich die österreichische Regierung in Bezug auf die patriotische Eingliederung der Jugendorganisationen zunehmend „totalitär“; andererseits war der Epi- skopat gespalten, wobei die Mehrheit jedenfalls weiterhin auf die guten Ab- sichten Schuschniggs vertraute und sich darauf berief, dass die christlichen Grundlagen des österreichischen Staates das sicherste Bollwerk gegen die antichristlichen Ideologien darstellte117. Der „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich, der sich in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 vollzog, be- endete diese Debatte und traf das Gefüge des österreichischen Katholizismus – begonnen beim Episkopat – grundsätzlich unvorbereitet, um der Welle des Nationalsozialismus entschieden entgegenzutreten. 116 Als Beispiel lässt sich hier noch einmal Guido Gonella heranziehen, der noch am 26. Februar 1938 die Notwendigkeit der Treue Österreichs zum Programm von Dollfuß be- tonte, das sich in der Devise unabhängiges, autonomes, deutsches und christliches Österreich zu- sammenfassen ließ, dort wo christliches Österreich bedeutet, dass das österreichische Volk, einer tausendjährigen religiösen Tradition treu, das Christentum weiterhin als Leitprinzip seiner Politik möchte. Es möchte, dass die Nationalität im Christentum nicht den Feind sieht, den es zu verfol- gen gilt, sondern die spirituelle Plattform des öffentlichen und privaten Lebens; keine Werteordnung, die dem Wert von Rassen nachgestellt werden muss, sondern eine unersetzbare Spiritualität, der die Rassenanthropologie kategorisch unterstellt werden muss. Siehe Acta Diurna, in „L’Osservatore Romano“, 26. Februar 1938, nun in: Gonella, Verso 284 f. (Übers. d. Verf.) 117 Dazu Gottsmann, Gleichschaltung.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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