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Franz Marek und der italienische Kommunismus
unter dem Titel „Probleme der kommunistischen Weltbewegung“, der in der
„Volksstimme“ erschien59, hatte eine besondere Bedeutung für die italienische
Partei, die diesen in ihrem Parteiorgan abdruckte60. Marek habe in seiner Rede
klargemacht, dass die Kubakrise die Divergenzen in der kommunistischen
Bewegung klar zum Vorschein gebracht hätte. Die chinesische KP habe in der
Krise und ihrer Lösung einen Sieg der imperialistischen Kräfte gesehen:
Die Meinungsverschiedenheiten mit den chinesischen Genossen sind offen-
kundig darauf zurückzuführen, dass sie die Grundgedanken des XX. Partei-
tages [der KPdSU] – über die Politik der Koexistenz, über die Wege zum So-
zialismus, über die Verurteilung des Personenkults – ablehnen.61
Marek meinte, dass es eine tiefe Spaltung in der Frage des Krieges und des
Friedens gebe und sich die chinesischen Genossen nicht der Linie der friedli-
chen Koexistenz anschlossen, was falsch sei. Die italienischen Kommunisten
sahen in dieser Interpretation den richtigen Weg mit der Krise umzugehen
und bekräftigten in „l’Unità“ die Worte des österreichischen Kommunisten.
Unter diesen Voraussetzungen verwundert es auch nicht, dass Marek anläss-
lich der Diskussion zur „Friedlichen Koexistenz“ im November 1963 nach
Florenz eingeladen wurde: Die Debatte fand unter Führung von namhaften
Persönlichkeiten kommunistischer Medien statt, darunter Mario Alicata
(Direktor „l’Unità“), Lucio Libertini (Direktor „Mondo Nuovo“), Jean Duret
(„Conseil économique“ der CGT), Serge Mallet („France Observateur“) und
Marek von „Weg und Ziel“ 62.
Am 21. August 1964 verstarb Palmiro Togliatti auf der Krim. Die Koin-
zidenz von Togliattis Ableben mit der Formulierung seines als „Memorandum
von Yalta“ in die Geschichte eingegangenen Statements für die sowjetische
Führung bedeutete einen Meilenstein in der Entwicklung des „Polyzentris-
mus“ und machte den Weg zum „Eurokommunismus“ frei. Das Memoran-
dum war als persönliche Mitteilung an Chruschtschow und die sowjetische
Führung gedacht. Togliatti besprach darin Fragen der internationalen Bewe-
59 Probleme der kommunistischen Weltbewegung, in: Volksstimme (9.1.1963).
60 Critiche americane e austriache al P. C. cinese, in: l’Unità (12.1.63).
61 Ebd.
62 Dibattito sulla coesistenza pacifica, in: l’Unità (3.11.1963).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918