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Franz Marek und der italienische Kommunismus
Obschon Marek weiterhin an seiner Treue zur Sowjetunion festhielt, war er
vom Reformgedanken angesteckt worden. Diesen artikulierte er gemeinsam
mit einigen reformorientierten Genossen an der Spitze der KPÖ durch das
während des XIX. Parteitages von 1965 beschlossene Programm – das von
der Politik des PCI inspiriert war – und gerade im Hinblick auf Autonomie
und Demokratie weiter als andere KPs ging. Damit begann ein Kapitel der
Reform und eine Art früher „Eurokommunismus“ in der österreichischen KP.
Marek leitete diese Entwicklungen federführend und etablierte sich auch auf
internationaler Ebene als Reformer70. Damit entwickelte sich auch das theore-
tische Organ der Partei „Weg und Ziel“ zu einer wichtigen Diskussionsplatt-
form für die Abläufe in der Weltbewegung71. Zwar rezipierte man diese Posi-
tionen im PCI, für die österreichische Partei hatte man aber kaum Hoffnung.
Man erkannte den Mut vieler Genossen in der Kritik an den Entwicklungen
in der KPÖ und die von etlichen Seiten zitierten Gedanken Togliattis über
die Isolation der Partei und die Kritik am sowjetischen Modell waren für
den PCI erstaunliche Entwicklungen. Dennoch glaubte man in Rom nicht an
eine Veränderung und sah den Parteisekretär Friedl Fürnberg fest im Sat-
tel. Seine Ablöse durch Franz Muhri beim Parteitag und die Übernahme der
Parteileitung durch eine reformorientierte Mehrheit dürften überraschende
Wendungen gewesen sein72.
5. Reformkurs und Diskussion
in der Weltbewegung
Ein weiteres Kapitel stellt die Rolle Mareks im Zusammenhang mit dem itali-
enischen Kommunismus und den Reformen der 1960er Jahre noch klarer zur
Schau. Es handelt sich dabei um die Treffen zwischen Vertretern westeuropäi-
scher kommunistischer Parteien. In diesen sollte die Aktion der Parteien im
kapitalistischen Westen koordiniert und ihre Eigenständigkeit unterstrichen
70 Für Details und eine ausgezeichnete Analyse der Frage wie der Begriff „Eurokommu-
nismus“ zu deuten ist: Maximilian Graf, Frühstart.
71 Ebd.
72 Nota sul congresso del Partito Comunista Austriaco (Direzione del P.C.I. Sezione Este-
ri), FIG, APCI, 1965, Esteri, mf. 527, 1787–1791.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918