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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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206 Maximilian Graf 2. Im Schatten der Gegebenheiten: Kreisky, Saragat und Nenni Das scheinbare Fehlen von Interaktionen in den ersten beiden Nachkriegs- jahrzehnten mag auch mit der Beschaffenheit des linken politischen Spek- trums Italiens zusammenhängen, wo mit dem PCI die längste Zeit eine star- ke, ja die stärkste westeuropäische kommunistische Partei dominierte, die für den Antikommunisten Kreisky keinen Dialogpartner darstellte – ganz im Gegenteil. Sein Verhältnis zu den anderen italienischen Linksparteien war auch durch deren Haltung zum PCI determiniert. Kreisky kannte die beiden prominentesten sozialistischen bzw. sozialdemokratischen Parteiführer Pie- tro Nenni und Giuseppe Saragat bereits aus der Zwischenkriegszeit. Saragat hatte in der Emigration in Wien gelebt. Nenni nahm 1931 als italienischer Emi- grant an einem Treffen der Sozialistischen Arbeiter-Internationale in Wien teil, auf dem der junge Kreisky als eine Art besserer Laufbursche fungierte. In seinen Memoiren berichtet er mit großer Bewunderung vom „Erlebnis Pietro Nenni“. Dieser hatte damals eine Brandrede gegen die deutschen Kommunisten, die wenige Tage später den Volksentscheid gegen die demokratische preußische Regie- rung unterstützten, gehalten. Nicht zuletzt auf Druck der Kommunistischen Internationale hatte die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) am 22. Juli 1931 in ihrem gegen die Sozialdemokratie gerichteten Kampf gegen den „Sozialfaschismus“ ihre Unterstützung des Volksbegehrens zur vorzeitigen Auflösung des preußischen Landtags angekündigt, das am 9. August aber scheiterte, da es nicht von mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten unter- stützt worden war. Diese Entscheidung der KPD prägte auch Kreiskys Ein- stellung zum Kommunismus: Wer in seinem Leben alle die vielen Wandlungen des Kommunismus erlebt hat, von einer Bürgerkriegspartei in Deutschland zu einer pronazistischen Partei durch die Unterstützung des Volksentscheides, vergißt das nicht und wird meine Haltung zum Kommunismus verstehen. Sie ist historisch und nicht nur politisch untermauert“.6 6 Bruno Kreisky, Die Zeit in der wir leben. Betrachtungen zur internationalen Politik, hrsg. von Manuel Lucbert (Wien–München–Zürich–Innsbruck 1978) 53 f. Siehe auch Bruno Kreisky, Zwischen den Zeiten. Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten (Berlin 1986) 182. Nenni
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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