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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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221 Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat Linken im Kontext der SI kann in diesem Beitrag nicht weiter eingegangen werden. Bilateral belastete nach wie vor die Umsetzung des Südtirol-Pakets die Beziehungen zwischen Österreich und Italien und dieses Thema domi- nierte auch die sich entwickelnden Kontakt der Parteispitzen. Laut Michael Gehler versuchte die SPÖ gegenüber den italienischen Sozialisten tendenziell Abstand zu wahren und Kreisky hielt sich trotz seiner Rolle in der SI dem Feld der bilateralen transnationalen Parteienkooperation eher fern44. Mit dem PSI unter Craxi schien aber eine gewisse Veränderung einzutreten. Jedenfalls zeigte Kreisky Interesse, die Standpunkte Craxis näher ken- nenzulernen. Im Februar 1977 hatte ihn die SPÖ zu einem Besuch nach Wien eingeladen, der PSI-Chef wollte daraufhin möglichst bald einen Termin vor- schlagen, was aber dann noch einmal aufgeschoben werden musste45. Im De- zember 1977 meldete sich Craxi dann brieflich bei Kreisky und regte eine Be- sprechung über Südtirol-Probleme an. In seinem Schreiben informierte er über die Provinz-Organisation des PSI und deren Schwierigkeiten in den Beziehungen zu den übrigen politischen Kräften sozialistischer Gesinnung, jedoch deutscher Zunge in Südtirol. Damit waren die Sozialdemokratische Partei Südtirols (SPS) un- ter Führung von Hans Dietl und die Soziale Fortschrittspartei Südtirol (SFP) unter Kreiskys Protegé Egmont Jenny gemeint. Craxi vertrat die Ansicht, dass es notwendig sei, ein Verhältnis der Zusammenarbeit zwischen den Linkskräften im Südtirol – und hier im Besonderen der PSI – und den örtlichen Organisationen der SPÖ und der SPD, welche in der Gegend aktiv sind, herzustellen46. Die Südtiroler Sozialdemokratie war klein und die deutschsprachigen Parteien waren bei den Wahlen stärker als der PSI47. Nachdem eine zumin- dest teilweise Sozialdemokratisierung der Südtiroler Volkspartei aussichtslos schien, unterstützte Kreiskys SPÖ die beiden Kleinparteien SFP und dann auch die später gegründete SPS und setzte sich – wenn auch aufgrund der Gegensätzlichkeit ihrer Spitzenfunktionäre erfolglos – für deren Zusammen- 44 Gehler, Kreisky 205. 45 Interne Mitteilung. SPÖ-Zentralsekretariat, Hacker an Kreisky, 22. Februar 1978, Kreisky Archiv, Prominentenkorrespondenz, Box 13. 46 Craxi an Kreisky, 15. Dezember 1977, Kreisky Archiv, Prominentenkorrespondenz, Box 13. 47 Zu den Linksparteien in Südtirol siehe: Joachim Gatterer, „rote milben im gefieder“. Sozialdemokratische, kommunistische und grün-alternative Parteipolitik in Südtirol (Inns- bruck–Wien–Bozen 2009).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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