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Maximilian Graf
an: Ich frage mich, wen Berichte aus Österreich wohl stören können, doch nur die
Democristiani und die Kommunisten, die beide kein Interesse haben, zu viel über ein
Land mit einer gut funktionierenden sozialdemokratischen Alleinregierung zu sehen
und zu hören.56
Die italienische Innenpolitik blieb jedenfalls abwechslungsreich. Be-
reits 1978 war nach einer Unzahl von Wahlgängen mit Alessandro Pertini der
erste sozialistische Präsident der Italienischen Republik gewählt worden. Bei
den Parlamentswahlen 1979 waren DC und PSI konstant geblieben, der PCI
hatte fast vier Prozent verloren. Daraufhin lebten die als Pentapartito bekann-
ten Mitte-Links-Regierungen unter Beteiligung des PSI zunächst in Form
zweier Kabinette unter der Führung von Francesco Cossigas (DC) wieder
auf. Die Regierung seines Nachfolgers Arnaldo Forlani (DC) stürzte über den
„P2-Skandal“. Das vierte und das fünfte Kabinett dieser Legislaturperiode
wurden ab Juni 1981 vom ersten nicht-christdemokratischen Regierungschef
der Italienischen Republik Giovanni Spadolini (Partito Repubblicano Italia-
no) geführt. Ihm folgte bis zu den nächsten Wahlen Amintore Fanfani (DC).
Soweit die Kurzfassung von innenpolitischer Kurzlebigkeit und politischem
Wandel in Italien, die den Hintergrund von Kreiskys letzter Legislaturperio-
de in Österreich darstellte und die Weiterentwicklung des Verhältnisses zu
Italien zumindest aus österreichischer Sicht alles andere als einfach machte.
Angesichts der fragilen innenpolitischen Lage Italiens, verfolgte Kreisky die
Frage einer möglichen Kooperation von PSI und PCI weiter aufmerksam. Er
ließ sich die Berichte der Botschaft Rom über das Treffen zwischen Craxi und
Berlinguer am 20. September 1979 vorlegen. Daraus ging hervor, dass es die
Grundlinie der Begegnung war, die Linksparteien nicht „gegeneinander ausspie-
len zu lassen“, sondern vielmehr mit gemeinsamen Initiativen die DC in die Zange
zu nehmen und dazu zu bringen, ihre „Vorurteile“ sowohl gegen eine kommunistische
Regierungsbeteiligung wie gegen einen sozialistischen Ministerpräsidenten aufzuge-
ben. Zudem hatte man sich auf einen publizistischen Waffenstillstand verstän-
digt. Das Fazit der Botschaft lautete dennoch:
Die Aussprache Berlinguer-Craxi zeitigte also für das Verhältnis PCI-PSI
politisch relevante, aber sachlich wie zeitlich doch auf vorwiegend taktische
56 Kreisky an Craxi, Wien, 11. Oktober 1979, Kreisky Archiv, Prominentenkorrespon-
denz, Box 13.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918