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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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256 Andrea Di Michele und zu Gewalttaten, die oft von den zuständigen Behörden als subversive politische Aktivitäten eingestuft wurden. Angesichts der extrem schwachen Wirtschaftslage Österreichs, das nicht mehr in der Lage war, die eigene Be- völkerung mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen, waren die meisten Par- teien und die Öffentlichkeit fest davon überzeugt, dass das Land über keine ausreichenden Ressourcen verfügte, um als selbstständiger Staat bestehen zu können. Demnach wurde die politische Union mit Deutschland als die einzige Lösung zur Gewährleistung einer gewissen Stabilität angesehen. Die Siegermächte sträubten sich allerdings gegen jeglichen Vorschlag eines „An- schlusses“, der im Friedensvertrag von Saint Germain schließlich offiziell verboten wurde: Österreich durfte sich ab sofort nicht mehr Deutschöster- reich nennen, denn diese Bezeichnung enthielt einen klaren Hinweis auf die deutsche Bevölkerungsgruppe und sie hätte einen starken Einfluss auf die in den anderen Nachfolgestaaten lebenden deutschen Minderheiten ausüben können6. Österreich war also ein schwaches, von Hungersnot bedrohtes Land, dessen Entwicklung von tiefen politischen und territorialen Spannungen geprägt war. Hinzu kamen noch gefährliche Fliehkräfte, die sich von den Grenzgebieten aus verbreiteten und zu einer Implosion des Staats Österreich hätten führen können. Im Westen (Vorarlberg) gewannen die Verfechter der Annexion an die Schweiz immer mehr Anhänger. In Tirol wurden hingegen verschiedene Szenarien vorgeschlagen: Die Befürworter der Einheit Tirols, die bald am Brenner entlang gespalten werden sollte, waren sogar bereit, die alpine Region als autonomen Staat unter italienischer Herrschaft zu akzeptie- ren. Andere liebäugelten hingegen mit dem Gedanken, gemeinsam mit Vor- arlberg und Salzburg einen unabhängigen Staat zu gründen oder sich an die 6 Zu den Schwierigkeiten in Österreich nach dem Krieg siehe Manfried Rauchenstei- ner, Unter Beobachtung. Österreich seit 1918 (Wien–Köln–Weimar 2017); Die umkämpfte Re- publik. Österreich von 1918–1938, hrsg. von Stefan Karner (Innsbruck 2017); Ernst Hanisch, Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert (Wien 1994) 263–336; Ludwig Jedlicka, Ende und Anfang Österreich 1918/19. Wien und die Bundesländer (Salzburg 1969); Walter Goldinger, Dieter A. Binder, Geschichte der Repub- lik Österreich 1918–1938 (Wien–München 1992); Angelo Ara, Un’identità in trasformazione: l’Austria fra impero e seconda repubblica, in: Fra nazione e impero. Trieste, gli Asburgo, la Mitteleuropea, hrsg. von Ders. (Milano 2009) 169 ff.; Zum „Anschluss“ siehe Giorgio Marsi- co, Il problema dell’Anschluss austro-tedesco 1918–1922 (Milano 1983).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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