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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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257 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära Schweiz oder an Deutschland anzuschließen7. Von allen Ländern Österreichs zweifelte das konservative und antisozialistische Land Tirol am meisten an Österreich. Erst nach dem Vertrag von Saint Germain, also mit der Fixierung der Brennergrenze, erklärte der Tiroler Landtag offiziell den Beitritt Tirols zur österreichischen Republik, eine Entscheidung, die lange aufgeschoben wor- den war8. Der neue Staat verfügte aber über keinen politischen Zusammen- halt und vor allem über keine eindeutige Identität. In dieser Hinsicht wiesen die einzelnen Bundesländer viel stärkere Identitäten auf, die umso deutlicher wieder auftauchten als die Monarchie unterging, und die dynastische Bin- dung, auf deren Grundlage die Länder miteinander verbunden waren, ver- schwand. In der chaotischen Nachkriegszeit ging es sogar soweit, dass die Landesregierungen eigenständige Initiativen ergriffen, um ihre Beziehungen zu den Nachbarländern zu stabilisieren. Sie gründeten lokale Armeen mit stark nationalistischer und antisozialistischer Ausrichtung, die in manchen Fällen eine wichtige Rolle beim Schutz der umstrittenen Grenzen spielten9. Dem fragilen und zukunftsunsicheren Österreich stand nun Italien gegenüber, das infolge der kriegsbedingten Auflösung der vier großen Reiche Europas (das Deutsche, das Russische und das Osmanische Reich sowie Ös- terreich-Ungarn) von einer mittleren Macht mit einer untergeordneten Rolle zur drittgrößten europäischen Macht nach England und Frankreich aufstieg. Das Kippen der alten Machtverhältnisse hätte radikaler nicht sein können. Im Gegensatz zu den anderen Siegermächten erlebte Italien nicht nur die Nie- derlage seines „Erbfeindes“, sondern auch dessen Untergang: Jahrzehntelang 7 Paolo Petta, Il sistema federale austriaco (Milano 1980) 64–73; Richard Schober, Tiro- ler Anschluβfrage und Südtirolproblem im Lichte der deutschen Diplomatie, in: Innsbrucker historische Studien 1 (1978) 129–171, hier 154; Zu den Bestrebungen einer Vereinigung an Deutschland durch den „Anschluss“ in der ersten Nachkriegszeit siehe Hermann Kuprian, Tirol und die Anschluβfrage 1918–1921, in: Tirol und der Anschluβ. Voraussetzungen, Ent- wicklungen, Rahmenbedingungen 1918–1938, hrsg. von Thomas Albrich, Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Innsbruck 1988) 43 ff. 8 Richard Schober, Il Tirolo: da territorio della Corona a Land federale. Problemi politici e amministrativi del primo dopoguerra, in: Tirolo – Alto Adige – Trentino 1918–1920, hrsg. von Casimira Grandi (Trento 1996) 298–314, hier: 301–303; Federico Curato, Le relazioni ita- lo-austriache alla conferenza della pace, in: Storia e Politica 12/3 (1973) 429–457. Zu den Auto- nomiebestrebungen und den seperatistischen Tendenzen sowie zur generellen schwierigen Lage nach dem Krieg in Tirol siehe Michael Gehler, Tirol im 20. Jahrhundert. Vom Kronland zur Europaregion (Innsbruck-Wien 2008) 68 ff. 9 Die gewichtige Rolle, die diese regionale Angelegenheit im neu entstandenen Öster- reich spielte, ist sehr gut in Goldinger, Binder, Geschichte der Republik Österreich 41 ff. veranschaulicht.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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