Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Page - 268 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 268 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Image of the Page - 268 -

Image of the Page - 268 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text of the Page - 268 -

268 Andrea Di Michele halten, was uns zweifelsohne und fairerweise zusteht – sofort auch die wohlwollende römische Maßhaltigkeit unserer Handlungen und Gesten spüre37. Die Militärmission kontrollierte, wie im Waffenstillstandsvertrag vor- gesehen, die Reduzierung des österreichischen Militärkontingents. Wider- stand gab es bei der Beschlagnahme von Kriegs- und Eisenbahnmaterial. Ende November 1919, ein Jahr nach dem Waffenstillstand, sollten rund hun- dert Züge mit Kriegsmaterial aus dem ehemaligen Österreich-Ungarn nach Italien geschickt werden38. Vor allem aber war es die Requisition von Kunst- werken und Manuskripten aus österreichischen Museen, Archiven und Bi- bliotheken, die bei den österreichischen Institutionen sowie in der Bevölke- rung auf Ablehnung stieß39. Die Mission hatte die Aufgabe, Kriegsgüter, Kunst- werke etc., die von den Österreichern in diesem und in den vorangegangen Kriegen vereinnahmt wurden ausfindig zu machen, um dann bei der Friedenskonferenz deren Übergabe zu fordern40. Diesbezüglich zeigte sich Segre äußerst eifrig. Eine eigens eingesetzte Kommission erstellte lange Listen über historische und künstlerische Werke, die aus Italien stammten und deren Rückführung gefordert wurde. Darunter befanden sich archäologische Fundstücke, Manu- skripte, Archivfonds, Bibliotheken, Bilder und Skulpturen. Segre wollte voll- endete Tatsachen schaffen und verfügte eine „einstweilige Beschlagnahme“ der beanspruchten Güter41. Damit sollte verhindert werden, dass die öster- reichische Regierung mit den Vertretern der Entente diesbezüglich andere Abmachungen traf. Vor allem hinsichtlich der vielen Bilder, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Venedig nach Wien gebracht worden waren, gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Wien und Rom, die erst im Mai 1920 mit der Unterzeichnung eines Vertrages, in dem die italieni- schen Forderungen akzeptiert wurden, ihr Ende fanden. Dass Italien die Übergabe von Kulturgütern durchsetzen wollte, bevor noch in Paris eine Entscheidung darüber getroffen oder ein bilaterales Ab- kommen geschlossen wurde, war demütigend für Österreich. Italiens Politik 37 Segre, La missione 26. (Übers. d. Verf.) 38 Ebd. 100 f. 39 Siehe dazu Johann Rainer, Die Rückführung italienischer Kulturgüter aus Österreich nach dem ersten Weltkrieg, in: Alpenregion und Österreich. Geschichtliche Spezialitäten, hrsg. von Eduard Widmoser, Helmut Reinalter (Innsbruck 1976) 105–116. 40 Segre, La missione 118. (Übers. d. Verf.) 41 Ebd. 152.
back to the  book Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung