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Südtirol zwischen Österreich und Italien in den 1930er Jahren
beitung des Austrofaschismus in den letzten Jahren in Österreich, auch wenn
in den dazu einschlägigen Publikationen die Rolle Südtirols mit freundlichem
Desinteresse weitgehend unberücksichtigt bleibt. Dabei machen vor allem die-
se Untersuchungen zunehmend klar, dass die Beziehungen Österreichs zum
faschistischen Italien zu den „zentralen Determinanten für die politische Ent-
wicklung Österreichs in den 1930er-Jahren“ zählt3. Diesen Befund bestätigt
auch die vorliegende Untersuchung, deren These somit wie folgt lauten kann:
Waren sich die beiden Staaten zwar seit 1915 in „offener Feindschaft“ gegen-
übergestanden, wandelte sich danach, in den 1930ern, das Verhältnis schnell.
Die verbesserten Verbindungen zu Italien waren sogar mitentscheidend für
die Entstehung des autoritären Staates in Österreich und bestimmten nach-
haltig das außenpolitische Verhältnis des Landes v.a. zu Deutschland, aber
auch zur Kleinen Entente (Tschechoslowakei, Jugoslawien, Rumänien) sowie
zu Ungarn. Gleichzeitig war eine freundschaftliche Nachbarschaft zu Öster-
reich auch für Italien bedeutend: Denn, vor allem der Abessinienkrieg 1935
und die damit zusammenhängenden Sanktionen des Völkerbundes sowie die
internationale Ächtung isolierten das Mittelmeerland zusehends. War Öster-
reich bis dahin als Schutzzone und Puffer gegen vermutete Expansionsbestre-
bungen des nationalsozialistischen Deutschlands gesehen worden, so wurde
der Austausch mit Wien nun zur wichtigen politischen und wirtschaftlichen
Lebensader, auch wenn die freundschaftlichen Beziehungen zum Deutschen
Reich zunehmend zum bestimmenden Faktor der italienischen Außenpolitik
wurden.
Mitten in diesem Beziehungsdreieck – im politischen, wie im geogra-
phischen Sinne – befand sich Südtirol: Es stand vor allem wegen der in Öster-
reich (und generell unter Nationalsozialisten) nicht ruhen wollenden Ressen-
timents aufgrund der Abtrennung des Gebietes an Italien und wegen der Be-
handlung der deutsch/ladinischen Minderheit durch Mussolinis Faschisten
gleichsam als emotionaler und politischer (zugleich aber auch als kalmier-
barer – so glaubte zumindest die Dollfuß-Regierung) Störenfried zwischen
dem deutschsprachigen und dem italienischsprachigen Raum. Jenseits der
damit weiterhin heiklen und aktuell bleibenden Frage der Brennergrenze
3 Helmut Wohnout, Bundeskanzler Dollfuß und die österreichischitalienischen Bezie-
hungen 1932–1934, in: Das Dollfuß/Schuschnigg-Regime 1933–1938. Vermessung eines For-
schungsfeldes, hrsg. von Florian Wenninger, Lucile Dreidemy (Wien 2013) 601–631, hier: 601.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918