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Die katholische Kirche in Südtirol 1918–1940
wurden Apostolische Administraturen als „Quasi-Bistümer“ geschaffen, um
die Kirchenleitung vor Ort pragmatisch zu gewährleisten.
Nicht nur durch die Etablierung provisorischer Strukturen, sondern
auch personalpolitisch kam man den Tirolern entgegen. Nicht anders wird
man die Ernennung des umsichtigen und sozialpolitisch ambitionierten Si-
gismund Waitz zunächst zum Delegatus Sanctae Sedis, ab dem 9. April 1921
zum Apostolischen Delegaten für die alten Brixner Gebiete in Österreich zu
deuten haben. An sich wäre er der geborene Kandidat für den seit dem 18. Mai
1918 vakanten Brixner Stuhl gewesen, doch hätte die italienische Regierung
aufgrund seiner politischen Positionen sicher nicht ihr Placet, das erforder-
liche Exequatur, gegeben. Einen Brixner Weihbischof zum Quasi-Bischof von
Innsbruck zu bestellen, schien ein idealer Schachzug. Ludwig von Pastor kol-
portiert die Begründung Benedikts XV. für seine Wahl: Entscheidend war ihre
[= die österreichische] Vorstellung, dass die Abtrennung Nordtirols von den Feinden
der Kirche als Sanktion des Friedens von St. Germain ausgebeutet werden dürfte.15
Der Papst hatte bei dieser Entscheidung nicht nur die internationale Politik,
sondern auch die Menschen vor Ort im Blick: Wir wollen nicht durch eine Ab-
trennung Nordtirols auf den Friedensvertrag von St. Germain das Siegel drücken
und der bereits schwer getroffenen Bevölkerung einen neuen Schmerz beifügen.16
3. Die zwanziger Jahre: Ungelöste Fragen und
neue Konflikte
Mit diesen rechtlichen und personellen Regelungen war freilich nur der Rah-
men abgesteckt. Nun musste sich erweisen, wie die einzelnen Beteiligten ihn
mit Leben füllen würden.
Heikel blieb die Situation für die deutschen Gebiete des Bistums Tri-
ent. Das lag sicher nicht an Fürstbischof Celestino Endrici17. Dieser hatte im
Germanikum in Rom studiert, war 1904 durch den Kaiser zum Bischof no-
miniert worden. Inwieweit er von irredentistischen Vorstellungen bestimmt
war, ist schwer zu sagen. Jedenfalls war er 1916 unter Hausarrest gestellt
15 Ludwig von Pastor, Tagebücher, Briefe, Erinnerungen (Heidelberg 1950) 704.
16 Ebd. 708.
17 Celestino Endrici (1866-1940)–Vescovo di Trento (= Tagung Trient, 23.5.1991) (Trient 1992).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918