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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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312 Jörg Ernesti dinariates als Kanzler geleitet und quasi die Amtsgeschäfte dieses Gebietes geführt29. Seine förmliche Ernennung zum Brixner Bischof scheiterte am Veto der faschistischen Regierung, die keinen deutschsprachigen Kandidaten als Bischof dulden wollte. Allerdings wich der Vatikan auch nicht der Gewalt, indem ein den Faschisten genehmer Bischof ernannt wurde, sondern man hielt an Mutschlechner fest. Am 13. Oktober 1928 wurde er von Pius XI. zum Apostolischen Administrator ernannt und konnte damit die Diözese verwal- ten, ohne die Vollmachten eines geweihten Bischofs zu besitzen. Harte Kämpfe hatte Mutschlechner in der Folge um das Überleben des Vinzentinums zu bestehen. Als der Unterricht in allen Schulen völlig auf Italienisch umgestellt werden sollte, einschließlich des Religionsunterrichtes, unterstützte er nachhaltig die Gründung von Pfarrschulen und verbot sei- nen Priestern die Erteilung von Religionsunterreicht an öffentlichen Schulen (1928). Auch den Unterricht in den anderen Fächern, der in den geheimen, seit 1925 verbotenen „Katakombenschulen“ organisiert wurde (nicht zuletzt mithilfe der Unterstützung des „Vereins für das Deutschtum im Ausland“), betrachtete er mit Wohlwollen und hinderte Kleriker nicht, sich an dem Werk zu beteiligen30. Der „Presseapostel“ Michael Gamper zählte auch zu den füh- renden Köpfen des geheimen deutschen Schulwesens. Mutschlechners Bemühungen, die deutschsprachigen Dekanate des Bistums Trient an Brixen anzugliedern, scheiterten am Widerspruch Endri- cis und der Provinzregierung. Den Faschisten war er wegen seiner unbeug- samen Haltung sicher nicht genehm. 1929 wurde etwa kurioserweise sein Schreibtisch konfisziert, da er sich geweigert hatte, an Wahlen teilzunehmen. 1929 wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil im Amtsblatt die verbo- tenen deutschen Ortsnamen verwendet worden waren. Der volkstümliche, aber in der Nationalitätenfrage wenig konziliante Mann kam also auch nach dem Konkordat von 1929 nicht als Bischof in Frage. 29 Innerhofer, Bestverdienter Mann 187–211. 30 Maria Villgrater, Katakombenschule. Faschismus und Schule in Südtirol (Bozen 1984).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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