Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Page - 318 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 318 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Image of the Page - 318 -

Image of the Page - 318 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text of the Page - 318 -

318 Jörg Ernesti der geringste Anschein vermieden werden, die ganze Aktion sei eine Fronde gegen den Bischof. Die Absender waren wohl realistischer als dieser, wenn sie darauf hinwiesen, dass die Option für Deutschland auch eine Option für den Nationalsozialismus impliziere: „Es hat sich immer klarer gezeigt, dass die Propaganda für die deutsche Staatsbürgerschaft in Wirklichkeit ein Wer- ben um die Zugehörigkeit zum Nationalsozialismus ist.“53 Um die kirchen- feindliche Haltung jener Ideologie zu verdeutlichen, wird auf die Enzyklika „Mit Brennender Sorge“ aus dem Jahr 1937 verwiesen, die in Südtirol be- zeichnenderweise nicht veröffentlicht worden war. Geisler wird aufgerufen, sich für den Erhalt seines Bistums einzusetzen. Die Priester könnten vor Ort am besten gegen den Nationalismus und für die Versöhnung der Volksgrup- pen wirken. Man konnte sich auch darauf berufen, dass Erzbischof Endrici in Trient der Option sehr viel skeptischer gegenüberstand und die Sorgen seiner deutschsprachigen Gläubigen zu zerstreuen suchte, dass man umge- siedelt werde, wenn man nicht für Deutschland optiere54. Der Fürstbischof hatte sich entsprechend am 1. Dezember 1939 im Volksboten geäußert, gegen den Willen Pompanins und Geislers Geisler saß damit zwischen den Stühlen. Die Mehrheit der Bevölkerung op- tierte für Deutschland, und auch sein Generalvikar tendierte in diese Rich- tung, während die Mehrheit seines Klerus nicht optieren wollte. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang die Denkschrift, die der Fürstbischof am 11. März 1940 an Pius XII. übersandte55. Hier schildert er zunächst die Haltung seines Klerus in der Frage der Option. Die Dableiber wollten in Zukunft mög- lichst viel Deutsches bewahren, was zu großen Konflikten führen müsse, da die Regierung Südtirol „möglichst bald vollständig italienisch machen“ wolle56. Er verweist auf 20 Jahre Unterdrückung alles Deutschen in Südtirol, sowohl in wirtschaftlicher als auch in kultureller Hinsicht. Deshalb glaubt er auch nicht an Zusagen, dass Nicht-Optanten bleiben dürfen. Die Provinz Bozen müsse „zu 100% italienisch und faschistisch werden“57. Daher bietet 53 Ebd. 221. 54 Diese Auffassung wiederholte er auch in seinem Fastenhirtenbrief „Vor der großen Ent- scheidung“, Trient 1940. 55 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 50 241–261. 56 Ebd. 243. 57 Ebd. 255.
back to the  book Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung