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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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325 Die Revision der Staatsbürgerschaftsoptionen von 1939 Die geplante Reoptionsregelung führte bei der Sammelpartei der Südtiroler, der Südtiroler Volkspartei (SVP), zu einer geradezu panikartigen Reaktion, denn in Bozen bestanden gegenüber einer einseitigen italienischen Lösung der Optantenfrage größte Bedenken. An die Alliierte Kontrollkommission in Rom hatte die Partei wenige Tage vor Genehmigung des Gesetzentwurfs ap- pelliert, das Problem könne nur eine zwischenstaatliche Lösung finden, an der andere Regierungen und insbesondere jene Österreichs beteiligt werden müssten11. Die SVP selbst hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt strikt geweigert, mit Rom oder dem Präfekten von Bozen in der Options-Angelegenheit zu spre- chen. Zum einen, weil man der Meinung war, der „Schandvertrag“ von 1939 sei zu annullieren12, vor allem aber, da man befürchtete, solche Gespräche könnten als Aufgabe der Forderung nach Ausübung des Selbstbestimmungs- rechts ausgelegt werden. Da die SVP im geplanten Gesetz jedoch die unmit- telbare Gefahr einer massiven Ausweisung sowie eines Rückkehrverbotes von Südtirolern erblickte, eilten Anfang 1946 Vertreter der Partei nach Rom, nicht wissend, dass die Alliierten den Gesetzentwurf bereits abgelehnt hat- ten13. De Gasperi kündigte daraufhin die Zurücknahme des Gesetzes und die Einsetzung einer gemischtsprachigen Kommission unter Einbeziehung der SVP zur Ausarbeitung eines neuen Optantengesetzes an. Damit konnte der Ministerpräsident gegenüber den Alliierten behaupten, auch die SVP erken- ne die Gültigkeit des Optionsabkommens von 1939 und damit den Verlust der italienischen Staatsbürgerschaft durch die Optanten an14. Wohl oder übel stimmte die SVP – auch auf Drängen der Alliierten – der Mitarbeit an der Ausarbeitung eines Optantengesetzes zu, was in Südtirol – v. a. in Kirchenkreisen – stark kritisiert wurde15. Im Frühjahr und Frühsom- 11 Schreiben von SVP-Obmann Erich Amonn und SVP-Generalsekretär Josef Raffeiner (Bozen) an die Alliierte Kontrollkommission (Rom), Bozen, 12. 11. 1945, in: 1945–1947: Ge- scheiterte Selbstbestimmung. Die Südtirolfrage, das Gruber-De Gasperi-Abkommen und seine Aufnahme in den italienischen Friedensvertrag. Akten zur Südtirol-Politik 1945–1958 1, hrsg. von Michael Gehler (Innsbruck–Wien–Bozen 2011) Dok. 30, 110. 12 Schreiben von Erich Amonn (Bozen) an Alois Pompanin (Brixen), 25. 3. 1946, in: Ebd. Dok. 63, 189. 13 Stadlmayer, Kein Kleingeld im Länderschacher 60 f. 14 Ebd. 62. 15 Schreiben von Generalvikar Alois Pompanin (Brixen) an Otto von Guggenberg (Bo- zen), 11. 3. 1946, in: Gehler, Akten zur Südtirol-Politik 1, Dok. 59.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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