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Die Revision der Staatsbürgerschaftsoptionen von 1939
korrektur vornehmen. Hatte man zuvor den Innocenti-Entwurf von 1946 als
Ausgangspunkt für die Verhandlungen abgelehnt, so berief man sich ab so-
fort ausdrücklich darauf67. Der Geist des Pariser Abkommens erlaube keinen
Rückschritt, im Gegenteil, die Lösung müsse günstiger ausfallen.
Die Konsultationen waren im Juni 1947 an einem toten Punkt ange-
langt, wie Coppini in Wien konstatierte68. Freimütig erklärte er gegenüber
Gruber, dass dies an den vorgefassten Meinungen der beiden Verhandlungs-
partner liege. So glaube Italien, die österreichische Regierung würde die
Rückkehr einer größtmöglichen Zahl von abgewanderten Südtirolern an-
streben, um weiterhin eine nationalistische bzw. irredentistische Politik zu
betreiben, Forderungen zu erheben und den „Alto Adige“ geistig und wirt-
schaftlich von Italien abzutrennen. Auf der anderen Seite sei Österreich der
Meinung, die italienische Regierung versuche die Rückkehr der Optanten zu
unterbinden, um die Entnationalisierungspolitik fortzusetzen und Italiener
anzusiedeln69.
Diese Vorurteile galt es nach Coppini zu überwinden, wollte man in
der Optantenfrage weiterkommen. Den Schwarzen Peter schob er aber ein-
deutig Österreich zu. Während nämlich Italien und insbesondere De Gas-
peri in Worten und Taten seinen guten Willens gezeigt habe, würden sol-
che Gesten aus Österreich ausbleiben. So vermisste er etwa eine Erklärung
Wiens, die nach Südtirol zurückkehrenden Umsiedler würden sich als loyale
italienische Staatsbürger verhalten, im Gegenteil, hie und da würde sogar
die Behauptung aufgestellt, das De Gasperi-Gruber-Abkommen sei nur eine
Übergangslösung. Coppini schlug Außenminister Sforza mithin vor, gewisse
österreichische Gegenvorschläge, die am 26. Juni überreicht wurden, anzu-
nehmen, im Gegenzug aber eine offizielle Erklärung Wiens zu fordern, den
Irredentismus der Südtiroler nicht zu unterstützen70.
Diese Strategie fand in Rom Gehör und Silvio Innocenti machte gegen-
über dem nunmehrigen SVP-Generalsekretär Otto von Guggenberg Andeu-
67 Gruber, Instruktionen an Legationsrat Kripp, Wien, 31. 7. 1947, in: Ebd., Dok. 228, 479.
68 Coppini an Außenminister Sforza, Wien, 24. 6. 1947. DDI X/6, Dok. 93, 130.
69 Ebd. 129.
70 Ebd. 130.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918