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Peter Thaler
für immer abgeschlossen. Die zeitliche Verknüpfung der Anschlusswirklich-
keit mit Krieg und Einparteienherrschaft schuf in den darauffolgenden Jah-
ren erste Voraussetzungen für eine geistige Neuorientierung außerhalb der
politischen Randgruppen. Den endgültigen Umbruch brachte aber das Jahr
1945, in dem die Alliierten in Österreich Einzug hielten.
Nach 1945
Aus der totalen Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg erwuchs die
Wiederbegründung der österreichischen Republik, zugleich aber auch die
Besetzung durch die vier Siegermächte. Jeder Hinweis auf Österreichs deut-
sche Bezugspunkte verknüpfte die österreichische mit der weitaus komplexe-
ren deutschen Frage und erschwerte eine rasche und zufriedenstellende Ab-
wicklung des Besatzungsregimes. Wenn Österreich seine volle Souveränität
zurückgewinnen wollte, schien eine Abgrenzung von allem Deutschen daher
eine patriotische Notwendigkeit15.
Seitdem galt aber nicht bloß die Frage der politischen Unabhängigkeit
als entschieden. Mit der Übernahme gesellschaftlicher Führungspositionen
durch die Anhänger einer eigenständigen Österreichischen Nation kam ein
darüber weit hinausgehender Erziehungsprozess in Gang. Nicht zuletzt dem
Unterrichtswesen wurde dabei eine wichtige Aufgabe gesetzt. Das Parteipro-
gramm der Österreichischen Volkspartei, der führenden politischen Kraft
der ersten Nachkriegsjahre, verlangte von den Schulen:
Zielbewußte Pflege des österreichischen Geistes und schärfste Betonung des
eigenständigen österreichischen Kulturgutes...
In den Schulen aller Stufen, einschließlich der Fachschulen, restlose Durch-
dringung des Unterrichtes mit österreichischem Gedankengut und Heranbil-
dung der Jugend zu bedingungslosen Österreichern...
Intensivste Arbeit am Aufbau der österreichischen Nation, die starkes, stolzes
österreichisches Staats- und Kulturbewußtsein formen muß.16
15 Siehe dazu etwa Erich Zöllner, Der Österreichbegriff: Formen und Wandlungen in
der Geschichte (Wien 1988) 93.
16 Österreichische Parteiprogramme 1868–1966, hrsg. von Klaus Berchtold (Wien 1967)
376 ff.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918