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Federico Scarano
und die „Dolomiten“25. Einen Kompromiss mit Italien lehnte er ab und kriti-
sierte immer wieder die gemäßigte Führung von Amonn und Raffeiner. Mit
ihm trat der gesamte Südtiroler Klerus für die Selbstbestimmung ein und
auch der Fürstbischof von Brixen, Johannes Geisler, forderte eine Volksab-
stimmung26. Geisler war allerdings auch im Vatikan schlecht angeschrieben,
weil er sich 1940 für die Option ausgesprochen hatte – entgegen der Meinung
von 80 Prozent des Südtiroler Klerus.
Die Südtiroler Volkspartei war eine Sammelpartei, die, wenngleich
katholisch gesinnt, alle Südtiroler Bevölkerungsgruppen, darunter die Op-
tanten und die ehemaligen Nationalsozialisten, vereinen wollte. Ein bedeu-
tender Kopf war Friedl Volgger, einer der wichtigsten Partner Gampers in
der Südtiroler Widerstandsbewegung gegen die Option; er wurde von den
Nationalsozialisten nach Dachau deportiert27. Das Parteiprogramm der SVP
bestand lediglich aus drei Punkten, darunter die Selbstbestimmung Südti-
rols. Das hieß eine Volksabstimmung und die Rückkehr zu Österreich.28.
Auch die französischen Besatzungstruppen unterstützten den Anspruch auf
Landeseinheit29. Großbritannien und die Vereinigten Staaten hatten schon
während des Krieges die Wiederherstellung eines unabhängigen Österreichs
befürwortet, etwa der britische Außenminister Anthony Eden im März
194330. Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt unterhielt Kontak-
te zum österreichischen Thronfolger Otto Habsburg, einem strikten Gegner
des Nationalsozialismus und des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche
Reich. Im Sommer 1945 wurden in Südtirol häufig Habsburger-Fahnen ge-
25 Für eine kurze und präzise Zusammenfassung siehe Rudolf Lill, Südtirol in der Zeit
des Nationalismus (Konstanz 2002) 237–238.
26 Siehe Josef Gelmi, Die Südtiroler Kirche und das Ende des Zweiten Weltkrieges in:
Heiss, Pfeifer, Südtirol – Stunde Null? 141–151 und Ders., Fürstbischof Johannes Geisler
(1882–1952). Eines der dramatischsten Kapitel der Südtiroler Geschichte (Brixen–Bressanone
2003).
27 Interessant sind auch die Memoiren, die seinen Einsatz für Südtirol vom Faschismus
bis in die 1980er-Jahre beschreiben: Friedl Volgger, Mit Südtirol am Scheideweg, Erlebte
Geschichte (Innsbruck 1984); in italienischer Fassung: Ders., Sudtirolo al bivio. Ricordi di
vita vissuta (Bolzano 1985).
28 Ritschel, Diplomatie um Südtirol 204.
29 Siehe Klaus Eisterer, Französische Besatzungspolitik. Tirol und Vorarlberg 1945/46 (=
Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte 9, Innsbruck 1991).
30 Zitierte Dokumente in Pastorelli, La politica estera 11.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918