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Italien und die Südtirolfrage von De Gasperi bis Moro
hisst31. Roosevelt hatte Otto und seinen Bruder Felix bereits am 7. März 1940
getroffen, dreimal traf er sich mit Zita, der letzten Kaiserin von Österreich,
unter anderem am 11. September 1943 und am 15. September 194432. Vor al-
lem Frankreich und das Vereinigte Königreich hatten erkannt, dass die Auf-
lösung des Habsburgerreiches 1918 und die Schaffung der Nachfolgestaaten
mit zahlreichen unterdrückten ethnischen und konfessionellen Minderheiten
ein Fehler gewesen war.
Karl Gruber, 36 Jahre jung, von 1945 bis 1953 österreichischer Außen-
minister, beherrschte die englische Sprache auf ausgezeichnetem Niveau33.
Er war kein Diplomat, sondern ein Elektrotechnik-Ingenieur. Zum Landes-
hauptmann von Tirol und dann zum Außenminister von Österreich wurde
er hauptsächlich aufgrund der Tatsache, dass er zu Kriegsende an der Spitze
der Tiroler Widerstandsbewegung34 stand. Wie Deutschland waren auch Ös-
terreich und seine Hauptstadt Wien in vier Besatzungszonen geteilt. Das gan-
ze Land verfügte zwar nur über eine einzige Regierung, auf diplomatischer
Ebene war es aber im Nachteil.
Wie sowohl Pietro Pastorelli als auch Rolf Steininger gezeigt haben,
wurde bereits am 14. September 1945 in London im Rahmen der dritten Sit-
zung des Außenministerrats der Siegermächte von den Alliierten eine ers-
te Entscheidung zugunsten Italiens getroffen. Aufgrund der Beschlüsse der
Konferenz von Potsdam hatte dieses Gremium den Auftrag, über die Pro-
bleme hinsichtlich des Friedensvertrages Überlegungen anzustellen35. Laut
Steininger gaben alle ihr Einverständnis, Südtirol nicht an Österreich zu-
rückzugeben, auch wenn der britische Außenminister Ernest Bevin kleine
Änderungsvorschläge vorbrachte36, die jenen von Frankreich ähnelten. Auch
Frankreich forderte leichte Grenzanpassungen wie die zwei kleinen Gebiete
31 De Napoli, Altoatesini 156.
32 Tamara Griesser-Pečar, Zita. Die Wahrheit über Europas letzte Kaiserin (Bergisch
Gladbach 1992), 259, 266–268; Erich Feigl, Zita Kaserin und Königin (Wien–München5 1991)
407 f. Nützliche Informationen zu den Beziehungen mit Roosevelt siehe auch in: Gordon
Brook-Shepherd, Zita die letzte Kaiserin. Biographie (Augsburg 1996) 357–399.
33 ASP 1945–1958 I, Doc 55.
34 Zu Gruber siehe seine Memoiren: Karl Gruber, Zwischen Befreiung und Freiheit. Der
Sonderfall Österreich (Berlin 1953); Ders., Ein politisches Leben. Österreichs Weg zwischen
den Diktaturen (Wien 1976); Gehler, Verspielte Selbstbestimmung, ad indicem.
35 Pastorelli, La politica estera 21–25; Steininger, Los von Rom 21 ff.
36 Ebd. 23.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918