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Federico Scarano
La Brigue und Tende. Nach Steininger erschien Südtirol noch das geringste
Problem unter all den anderen, die ebenfalls zur Diskussion standen. Der
endgültige Vorschlag wurde in weniger als einer Minute ohne Gegenrede
angenommen37. Die westlichen Alliierten fürchteten nach der Ernennung der
Regierung Renner durch die Sowjets im April 1945, dass Österreich in den
Einflussbereich Moskaus fallen würde. Gruber war aber der Auffassung, dass
Österreich ein Teil des Westens sein sollte. Er war ein strikter Gegner der So-
wjetunion und des Kommunismus38. Hauptziel seiner Außenpolitik war die
Durchsetzung einer Volksabstimmung in Südtirol.
Die UdSSR stand der erneuten Angliederung Südtirols an Österreich
ablehnend gegenüber. Nach der schweren Niederlage der österreichischen
kommunistischen Partei bei den Wahlen am 25. November 1945 und auf-
grund der westlich orientierten Haltung Außenminister Grubers39, lehnte die
UdSSR auch kleine Änderungen an der italienisch-österreichischen Gren-
ze ab. Am 1. Mai 1945 bestätigte die Außenministerkonferenz den Verbleib
Südtirols bei Italien. Am 24. Juni 1946, noch vor dem offiziellen Beginn der
Friedenskonferenz und obwohl Großbritannien die Forderungen Österreichs
unterstützte, wurden auch die Vorschläge in Bezug auf geringere Anpassun-
gen abgelehnt.
Am 30. Mai 1946 hatten Gruber und De Gasperi ihre Änderungswün-
sche vorgestellt. Gruber schlug die Wiederangliederung des Pustertals, des
Eisacktals und der Stadt Brixen an Österreich vor, um die direkte Kommuni-
kation zwischen Nord- und Osttirol wiederherzustellen – immerhin ein Ge-
biet mit 80.000 Einwohnern40. Der sowjetische Delegierte Andrej Vyšinskij
sah darin keine kleine und unwichtige Änderung. Auch die SVP lehnte eine
Aufteilung Südtirols ab, weil das die deutschsprachige Bevölkerung in eine
Minderheitensituation gebracht hätte. Gruber sah dies aber als ersten Schritt
zur Wiederangliederung von ganz Südtirol an Österreich an41.
37 Ebd; Rolf Steininger, Südtirol im 20. Jahrhundert. Vom Leben und Überleben einer
Minderheit (Innsbruck–Wien 1997) 220.
38 Gehler, Österreichs Außenpolitik I 90 f.
39 Gehler, Österreichs Außenpolitik 67–71.
40 DDI, Serie X, III 597.
41 Heiss, Pfeifer, Einleitung, in: Heiss, Pfeifer, Südtirol – Stunde Null? 16.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918