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Federico Scarano
gierung108 zurücktreten. Er war einer der Hauptorganisatoren und -geldgeber
für die Anschläge. Beim zweiten Mailänder Prozess 1966 wurde er deshalb zu
30 Jahren Haft verurteilt.
Mit der schweren Krise infolge der Feuernacht setzte sich in erster
Linie Scelba auseinander, der dabei von Amintore Fanfani und Aldo Moro,
dem Sekretär der DC, unterstützt wurde. Er rückte die Bekämpfung des Ter-
rorismus in den Mittelpunkt seiner Politik. Zugleich entschied er sich, einen
Ausschuss von Italienern und wichtigen Vertretern Südtirols einzurichten,
der notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Autonomie der Provinz
Bozen erarbeiten sollte. Er griff seinen alten Vorschlag auf, direkte Verhand-
lungen zwischen Rom und den Politikern Südtirols aufzunehmen. Diesen
hatte Scelba bereits mehrmals vorgebracht, jedoch wurde er stets abgelehnt109.
Am 24. Juni 1961 kam es in Zürich erneut zu einem erfolglosen Treffen der ita-
lienischen und österreichischen Delegationen. Dabei teilte Segni seine Bereit-
schaft mit, der Forderung Südtirols entgegenzukommen, ohne sich dabei je-
ner Österreichs nach einer autonomen Region zu beugen. Kreisky führte die
Verhandlungen auf österreichischer Seite kompromisslos110. Wie Steininger
schreibt, tat Italien den Attentätern jedoch nicht den Gefallen, so zu handeln,
wie sie es dachten: Es ließ die Verhandlungen nicht platzen111.
In dieser Sackgasse, in der Italien einen moralischen Vorteil hatte,
nahm Scelba, mit voller Unterstützung von Fanfani und Moro, direkte Ver-
handlungen mit den Südtirolern auf, um ihnen entgegen zu kommen und
den Einfluss Österreichs zu verringern. Scelba schlug die Einrichtung einer
Kommission – auch „Neunzehnerkommission“ genannt – vor. Sie bestand
aus elf Vertretern Italiens, sieben Vertretern Südtirols und einem Vertreter
der Ladiner. Den Vorsitz übernahm der angesehene sozialdemokratische Ju-
rist, Universitätsprofessor und Abgeordnete Paolo Rossi. Der Kommission
gehörten die römischen Abgeordneten der SVP und Landeshauptmann Mag-
nago, Walter von Walther, sowie politische Vertreter wie der Vorsitzende der
108 Scarano, Le origini della Commissione dei 19, 250; Steininger, Südtirol zwischen
Diplomatie und Terror II 563–566.
109 Scarano, Le origini della Commissione dei 19, 238–242.
110 ASP 1959–1969, III, Doc. 174–184, 420–462; Antonio Segni, Diario 1956–1964 (Bologna
2012) 216.
111 Steininger, Feuernacht 53.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918