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Giulia Caccamo
unter den überwiegend in den 1930er-Jahren ausgebildeten Führungskräf-
ten des Außenministeriums verbreitet. Die Angstmacherei des italienischen
Außenministeriums vor den „uralten Trieben“ Deutschlands – wenngleich
überzogen – kann zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass die Bundes-
republik Deutschland viele Vereine unterschiedlicher Art zur Unterstützung
der Causa Südtirol gegründet hatte. So sind das „Kulturwerk für Südtirol“
oder „Stille Hilfe für Südtirol“ nur einige Beispiele der zahlreichen deutschen
Vereine, welche die Autonomie Südtirols förderten. Zu diesem Zeitpunkt
fiel es der Bundesrepublik Deutschland offensichtlich immer schwerer, sich
kohärent an die mehrmals vom Auswärtigen Amt vorgegebene besonnene
Linie zu halten. Aufgrund seiner geografischen Nähe und seiner historisch
verwurzelten Tradition war das Land Bayern nur widerwillig bereit, wegen
Solidaritätsbekundung mit den „Deutschen“ in Südtirol seine Freundschaft
mit Italien aufzugeben, für das die Mehrheit der deutschen und insbesondere
der bayerischen Öffentlichkeit große Affinitäten hegte.
Sehr aktiv waren darüber hinaus auch die Vereine der deutschen Ver-
triebenen, welche ihre osteuropäische Heimat verlassen mussten. Diese Ver-
eine hätten ein nicht ungefährliches Zusammenspiel zwischen der gesamt-
deutschen Solidarität und dem Pangermanismus der Rechtsradikalen fördern
können. Die Vorstellung, dass die Bundesrepublik Deutschland in gewisser
Weise noch in Verbindung mit der Nazivergangenheit stehe, wurde aus na-
heliegenden Gründen durch die sowjetische Propaganda verstärkt. So hielt
es Moskau für unerlässlich, die BRD zugunsten seiner eigenen Sicherheit zu
schwächen: Die Isolation der deutschen Regierung durch die Verbreitung des
Schreckgespenstes eines nationalfaschistischen Revisionismus würde den
politischen und militärischen Integrationsprozess verhindern. Ähnliche As-
pekte findet man auch in der politischen Einstellung der italienischen kom-
munistischen Partei (PCI), die unterschiedslos die Hauptvertreter der Süd-
tiroler Autonomie als Nazisympathisanten stigmatisierte und der Bundesre-
publik Deutschland vorhielt, mit dem Bombenterrorismus zu kooperieren.
Die etwas unangebrachten Äußerungen mancher CDU-Spitzenpoliti-
ker, die oft auch Minister waren, verraten die unbestrittenen Ansprüche von
Adenauers Realpolitik: Die CDU sollte – im Konsens mit den rechten Partei-
en – zu einem großen politischen Sammelbecken werden, um der Bildung
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918