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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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403 Die Südtirolfrage und die Bundesrepublik Deutschland (1966–1969) rechtsextremer Gruppierungen vorzubeugen2. Für Italien war die deutsche politische Vorgehensweise wenig verständlich, denn andererseits sympathi- sierte der deutsche Kanzler nur ungern mit der Regierung in Wien. Mehrmals äußerte sich Adenauer in privaten Gesprächen negativ über Österreich, das allzu oft Deutschland die alleinige Verantwortung einer zum großen Teil ge- meinsamen Vergangenheit aufbürde3. So standen die Beziehungen zwischen Wien und Bonn vor allem zur Zeit des sozialistischen Außenministers Bruno Kreisky während seiner sie- benjährigen Tätigkeit am Ballhausplatz (Juli 1959–April 1966) auf der Kippe. Umstritten ist Kreiskys Verhältnis zur terroristischen Bewegung in Südtirol, in der er anfangs ein Druckmittel zur Überwindung der Pattsituation bei den entscheidenden Momenten der Verhandlungen sah4. Kreisky tendierte aber gleichzeitig dazu, der Regierung in Bonn die Verantwortung aufzubürden und die an Wien gerichteten Vorwürfe wegen mangelhafter Kontrolle der Fi- nanzierung terroristischer Gruppen auf Deutschland abzuwälzen. Bei einem vertraulichen Gespräch im Oktober 1965 mit Roberto Gaja, damals Generaldi- rektor der Abteilung für politische Angelegenheiten im italienischen Außen- amt, zeichnete Kreisky angesichts der Regierungskrise und Neuwahlen ein sehr detailliertes Bild vom Südtiroler Terrorismus5. Nach Meinung des öster- reichischen Ministers würde sich Südtirol als perfekte Bühne für ein politisch begrenztes Experiment anbieten, für das die deutschen Flüchtlinge, allen 2 Federico Scarano, La Germania di Adenauer e la questione dell’Alto Adige, in: Rivista di Diritto Pubblico e Scienze Politiche 3 (2000) 349–394. Der Autor nennt das Beispiel von Bun- desverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm, der gleichzeitig Sprecher eines sudetendeut- schen Vertriebenenvereins war. Dieser hatte im September 1960 – zur gleichen Zeit wandte sich Österreich an die UNO – seine vollste Unterstützung in der Causa Südtirol zum Aus- druck gebracht und dadurch heftige Proteste der italienischen Botschaft in Bonn ausgelöst. 3 Michael Gehler, Bruno Kreisky, Italien und die Deutsche Frage, in: Italien, Österreich und die Bundesrepublik Deutschland in Europa, hrsg. von Michael Gehler, Maddalena Gui- otto (Wien–Köln–Weimar 2012) 199. 4 Auf ein paar Masten mehr oder weniger soll es nicht ankommen, hatte Kreisky bei verschiedenen Gelegenheiten formuliert, so Rolf Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror 1947–1969, Bd. III (Bozen 1999) 253. Auch Gehler zufolge hielt es der Minister ab Herbst 1958 für nützlich, die Situation in Südtirol zu „dramatisieren“, um auf internationaler Ebene etwas zu erreichen. Siehe Gehler, Bruno Kreisky 178. Im Grunde sind sich beide Au- toren darin einig, dass der Irredentismus als Sprengstoff instrumentalisiert wurde, um die Italiener zum Handeln zu zwingen und sich anschließend wieder davon zu distanzieren, wenn rechtsextreme Elemente ins Spiel kommen. 5 Archivio Centrale dello Stato (ACS), Bestand Aldo Moro, Karton 104, Akte 637, resocon- to incontro Fiumicino Gaja-Kreisky, 5. Oktober 1965.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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