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Giulia Caccamo
voran die Sudeten, interessant wäre. Die bereitgestellten Finanzmittel seien
erheblich, die Kontrollen durch die deutschen Behörden nachlässig. Diese Si-
tuation könnte sich nach Kreisky noch verschlimmern, denn in Südtirol ver-
lasse man sich zunehmend auf die Hilfe Deutschlands. Kreisky vermied es
allerdings, Italiens wunden Punkt – die gesamtdeutschen Implikationen des
Südtiroler Irredentismus – anzusprechen. Kreisky betonte daher in seinem
Gespräch, er habe mit der deutschen Regierung über die Südtirolfrage nicht
gesprochen, da es sich nicht um ein deutsches Thema, sondern um ein Prob-
lem zwischen Italien und Österreich handle6.
Von deutscher Seite gab es hierzu widersprechende Wortmeldungen:
Eine Lösung liege im Interesse der deutschen Regierung, da diese Frage sich
wie ein schleichendes Gift in die Beziehungen zwischen Österreich und Italien,
aber auch zwischen Italien und Deutschland und Deutschland und Öster-
reich einpräge7. Für die deutsche Regierung war eine Beteiligung an der Lö-
sung der Südtirol-Problematik auch im Hinblick auf das innerdeutsche Ver-
hältnis wichtig. In der DDR wies die Presse auf die Gefahr neofaschistischer
Bestrebungen und eines Revanchismus hin, der sich in der Bundesrepublik
verbreitete, was auch von nichtkommunistischen Zeitungen in Italien auf-
gegriffen wurde8.
Besorgniserregend war auch der Verdacht einer geplanten Unterwan-
derung durch rechtsradikale Gruppierungen in Österreich und der BRD mit
dem Ziel, Terroraktivitäten zu fördern und Deutschland in diese Aktionen
miteinzubeziehen und damit zu destabilisieren. Aus Untersuchungen der
deutschen Behörden geht hervor, dass Norbert Burger, der seit 1961 in Süd-
tirol als rechtsradikaler Terrorist aktiv war, durch seine engen Kontakte mit
den Studentenvereinen und mit rechtsradikalen Gruppen aus Österreich und
Deutschland einige aus Westdeutschland stammende Kollaborateure rekru-
tiert hatte. Vieles deutet darauf hin, dass Burger auch Kontakte nach Ost-
6 Ebd.
7 Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (PAA), B130, Band 2442A, hier: Carstens,
Staatssekretär im Auswärtigen Amt in Löns, deutscher Botschafter in Wien, 15. Jänner 1965.
Berichtet wird von dem Gespräch zwischen Kreisky und Bobletter (Staatssekretär im öster-
reichischen Außenministerium) anlässlich der Sitzung des Ministerkomitees des Europa-
rates.
8 Ebd.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918