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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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423 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 tierte. Die Sozialdemokratie war von diesem Umstand insofern herausgefor- dert, als mit der nationalen Ungleichheit innerhalb der Monarchie auch eine soziale Ungleichheit einherging, zumal eine deutsch-österreichische Min- derheitsbevölkerung durch privilegierten Zugang zum Staatsapparat eine gespaltene Mehrheit aus Tschechen, Polen, Italienern und anderen Nationa- litäten dominieren konnte9. 1899 legte die SDAP mit dem Brünner Nationa- litätenprogramm10 für dieses Problem einen Lösungsvorschlag vor, der die Nationalitätenfrage mit der angestrebten Demokratisierung Österreich-Un- garns verband. Durch Einführung des allgemeinen Wahlrechts sollten so- ziale Privilegien abgebaut und die politische Partizipation gleichmäßig auf die breite Bevölkerung ausgedehnt werden11; die verbleibenden nationalen Unterschiede würden anschließend durch die Schaffung „national abge- grenzte[r] Selbstverwaltungskörper“ entschärft. Allerdings wollte man den Vielvölkerstaat als „Nationalitätenbundestaat“ erhalten, was vordergründig als internationalistische Geste gelesen werden konnte, tatsächlich aber vor allem dem reformistischen Grundgedanken der SDAP, ihrem Wunsch nach einem Ausgleich mit dem Habsburgerstaat, entsprach12. 9 Vgl. Lenka Bobikova, Die Arbeiterbewegung und die Nationalitätenkämpfe vor 1914 – eine Darstellung der Entwicklung, in: Arbeiterbewegung und Nationale Frage in den Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie, hrsg. von Helmut Konrad (Wien–Zürich 1993) 35–64, hier: 36. 10 Die Forderungen des Brünner Programms lauteten: „1. Österreich ist umzubilden in einen demokratischen Nationalitätenbundesstaat. 2. An Stelle der historischen Kronländer werden national abgegrenzte Selbstverwaltungskörper gebildet, deren Gesetzgebung und Verwaltung durch Nationalkammern, gewählt auf Grund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes, besorgt wird. 3. Sämtliche Selbstverwaltungsgebiete einer und der- selben Nation bilden zusammen einen national einheitlichen Verband, der seine nationalen Angelegenheiten völlig autonom besorgt. 4. Das Recht der nationalen Minderheiten wird durch ein eigenes, vom Reichsparlament zu beschließendes Gesetz gewahrt. 5. Wir erkennen kein nationales Vorrecht an, verwerfen daher die Forderung einer Staatssprache; wie weit eine Vermittlungssprache nötig ist, wird das Reichsparlament bestimmen. 6. Der Parteitag als das Organ der internationalen Sozialdemokratie in Österreich spricht die Überzeugung aus, daß auf Grundlage dieser leitenden Sätze eine Verständigung der Völker möglich ist; (…)“ Otto Bauer, Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie (Wien 1907), online ein- sehbar unter www.marxists.org/deutsch/archiv/bauer/1907/nationalitaet/31-programm.html (letzter Zugriff: 28.08.2017). 11 Vgl. Karl Ucakar, Demokratie und Wahlrecht in Österreich. Zur Entwicklung von politischer Partizipation und staatlicher Legitimationspolitik (Wien 1985). 12 Vgl. Helmut Konrad, Die Arbeiterbewegung und die österreichische Nation, in: Ar- beiterbewegung – Faschismus – Nationalbewusstsein. Festschrift zum 20jährigen Bestand des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und zum 60. Geburtstag von Herbert Steiner, hrsg. von Herbert Steiner, Wolfgang Neugebauer (Wien–München–Zürich 1983) 367–379, hier: 372.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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