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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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437 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 frage aus. Als Mitglieder des Nationalen Befreiungskomitees („Comitato di Liberazione Nazionale“, CLN) waren nun auch italienische Sozialisten und Kommunisten in Ministerposten vertreten, an den Arbeiten der Verfassungs- gebenden Versammlung (Costituente) beteiligt und damit in die Verabschie- dung der ersten Autonomieregelung für Südtirol auf Basis des Gruber-De Gasperi-Abkommens involviert60. Die sozialistischen und kommunistischen Positionen zur Tiroler Nati- onalitätenfrage hatten sich durch die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und insbesondere die deutsche Besatzung Norditaliens in den Jahren 1943–1945 jedoch erheblich gewandelt. Hatte eine Gruppe prominenter sozialistischer Exil-Italiener in den USA in einem „Italienischen Manifest“ vom Sommer 1944 noch vermutet, Sie [die Italiener] werden freiwillig – dessen sind wir sicher – die Kontrolle über einige kompakte deutsche oder slawische Gruppen im äußersten Norden und Nordosten der Halbinsel abgeben61, so stellte sich bereits im Herbst 1945 heraus, dass diese Position weder von der Mehrheit der sozialistischen Partei, noch von der KPI-Führung vertreten wurde. KPI-Generalsekretär Palmiro Togliatti, der in Moskau zuvor hochrangiger Kominternfunktionär gewesen war, rechtfertigte die Beibehaltung der Brennergrenze für Italien unter Berufung auf ihre militärstrategische Bedeutung62, stellte der deutsch- sprachigen Minderheit in Südtirol allerdings weitreichende Autonomierechte in Aussicht63. Für die Ausgestaltung dieser Autonomie legten die Kommunis- 60 Hans Woller, Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert (München 2010) 213 ff. 61 Aus dem „Italienischen Manifest“ von Arturo Toscanini, Randolfo Pacciardi, Lionello Venturi und Gaetano Salvemini, welches im Sommer 1944 in der amerikanischen Zeitschrift Life publiziert wurde, zitiert nach Claus Gatterer, Der Freund stand links. Italienische Bei- träge zur Diskussion um Südtirol, in: FORVM 101:IX (1962) 193 ff., hier: 193. 62 Zur militärstrategischen Bedeutung der Brennergrenze publizierte Friedrich Engels bereits 1859 ausführliche Überlegungen: Ein taktischer Vorteil kommt den Deutschen außerdem noch zugut: Auf der ganzen deutschen Grenzlinie ist bei allen wichtigen Passen [Pässen] – das Stilfser Joch ausgenommen – die Wasserscheide auf deutschem Gebiet. (…) Solange die Schweiz neutral bleibt, ist also Tirol, und sobald die Neutralität der Schweiz aufhört, ist Graubünden und Tirol (das Inntal und Rheintal) der geradeste Weg für ein deutsches Heer, das gegen Italien operiert. Auf dieser Linie drangen die Hohenstaufen nach Italien; auf keiner andern kann ein militärisch wie ein Staat agieren- des Deutschland mit raschen Schlägen entscheidend in Italien wirken. Friedrich Engels, Po und Rhein, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke, Bd. 13 (Berlin 1971) 236. 63 Es gibt aber diesseits des Brenners Deutsche. Das stimmt, und wir werden ihnen alle möglichen Autonomien und nationalen Freiheiten geben; aber die Tatsache, dass der Brenner unsere Grenze bleibt, hat beinahe die Bedeutung eines Grundprinzips – gerade heute, wo ganz Europa aufgrund der deutschen Verbrechen noch zittert und blutet und das Problem Deutschland noch lange nicht als gelöst betrachtet werden kann. Palmiro Togliatti, Il problema delle frontiere, in: l’Unità (edizione set-
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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